Stereolab Emperor Tomato Ketchup


Warp7Rough Trade

Für ihre ambitionierteste und bis heute einflussreichste Platte wählten Stereolab den schrägen Titel eines radikal inszenierten Films des japanischen Avantgarde-Regisseurs Shūji Terayama von 1971. Darin geht es um eine Welt, in der Kinder die Macht übernommen haben und Erwachsene knechten. Eine Dystopie, deren philosophische Strenge sich die cinephile Band auch zu eigen machte, um sie auf ihre eigene Musik anzuwenden.

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Mit infantiler Tobsucht werden Klanghülsen aufeinandergehetzt, wird regellos fragmentiert und neu zusammengesetzt. Schon der fluo­reszierende Opener, „Metronomic Under­ground“, hat kaum mehr etwas mit den spröden Skizzen ihres Debüts gemein. Während „Tomorrow Is Already Here“ den futuristischen Mini­malismus der Anfänge von Stereolab weiterführt, laben sich die Musiker (inzwischen ohne Katha­rine Gifford und Duncan Brown, dafür mit Keyboarderin Morgane ­Lhote) an kaum miteinander zu vereinbarenden Einflüssen: Steve Reich, Nico, Krautrock, HipHop, Dubstep. Mit „­Cybele’s Reverie“ ist auch ein Kabinettstück dabei, das mit düsteren Streichern startet, in ein französisches Chanson hinübergleitet und schließlich mit dramatischen Drone-­Elementen fast auseinanderbricht.

Zur Steigerung der Leistungsfähigkeit stand John McEntire von Tor­toise bei den Aufnahmen an der Seitenlinie, dirigierte die Gruppe als Produzent. Auch bei „Dots And Loops“ (★ ★ ★ ★) half er aus, was hier mit Blick auf die leichtfüßig anmutenden Jazzminiaturen und einen melancholischen Bossa-nova-Antrieb auch zu hören ist.

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Unterstützt wurden Stereolab zudem von Jan St. ­Werner vom deutschen Elektro-­Duo Mouse On Mars. Eine musikalische Vergnügungsreise in die Sechziger mit Funk-Feuerwerk, Spaghettiwestern-Kalauern, Beach-Boys-Anleihen und der Anmutung eines Big-Band-Sounds. Die Wiederveröffentlichungen sind schon deswegen inkommensurabel, weil die Band zum ersten Mal Demos und alternative Fassungen zugänglich macht.


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