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Sufjan Stevens Carrie & Lowell


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Die Spieldosenmelodie klimpert lieblich wie aus alter Zeit, und die helle Stimme singt von Mauerseglern und Zedern, Amethysten und Blumen und Wind in den Haaren: „I forgive you, mother, I can hear you/ And I long to be near you/ But every road leads to an end.“ Das ist der erste Song, „Death With Dignity“, eine Exposition zu der Reise in die Erinnerung. „Carrie & Lowell“: Sufjan Stevens gedenkt seiner Eltern (der Mutter und des Stiefvaters), man sieht die beiden auf einem ausgeblichenen Foto auf dem Cover der Platte. Das zeigt schon, dass Stevens noch an Cover glaubt und an Alben, er glaubt an Geschichten und an Lyrik, und er glaubt an Musik.

Sufjan Stevens ist der Reiseschriftsteller unter den Songschreibern: Er mag in Brooklyn wohnen, aber er schrieb Alben über Michigan und Illinois und kündigte ironisch an, sich jedem US-Bundesstaat zu widmen; ein frühes Instrumentalalbum, „Enjoy Your Rabbit“, ist dem chinesischen Kalender („Year Of The Monkey“, „Year Of The Snake“ …) gewidmet. Das Konzept war immer ein großes Thema für Sufjan Stevens. Bei „Carrie & Lowell“ sind es Lieben und Verletzungen und Verluste und Anrufungen und Gebete. Die Songs haben einen hohen Ton, sind ätherisch und grazil, getragen von dichtem Gitarrenspiel und Piano, ohne die elektronischen Arabesken früherer Alben, aber mit Chorgesang und einer Art sonischem Schwellen als Überleitung zwischen den Songs. Wieder bewegte Stevens sich durch das Land – er nahm in Oklahoma, Wisconsin und New York auf, und vermerkt ist ein Hotelzimmer in Klamath Falls/Oregon, wo er nur ein iPhone für die Aufzeichnung benötigte.

Stevens’ Lieder verdanken sich den fein ziselierten Stücken von Paul Simon, sie gemahnen in ihrer ephemeren Leichtigkeit an die Musik von Elliott Smith. So zart und hermetisch hat noch selten jemand die privateste Vergangenheit illuminiert. Trauer und Depression sind den Stücken eingeschrieben: „The man who taught me to swim, he couldn’t quite say my first name/ Like a father he led community water on my head/ And he called me ,Subaru‘“, singt er in „Eugene“. Das Lied schließt mit der Einsicht in die Vergeblichkeit: „What’s left is only bittersweet/ For the rest of my life, admitting the best is behind me/ What’s the point of singing songs/ If they’ll never even hear you?“

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Hier ist ein Dichter, könnte man sagen (hätte man es nicht schon bei den früheren Alben von Sufjan Stevens gesagt). Wie von einem altem Phonographen tönen diese Lieder herüber, als hätte Stevens wie Neil Young in der „Voice-O-Graph“-Zelle aufgenommen. Das hat er ja auch: Die Zelle ist das Cellphone. Und ihm hat Sufjan Stevens  diese schmerzlich bedrängenden Erinnerungsbilder anvertraut.

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Song des Tages: The Rolling Stones - „Miss You“

Die Stones haben in Toronto für ihre Auftritte im El Mocambo Club geprobt, als Jagger, der mit R&B-Legende Billy Preston jammte, sich ‚Miss You’ einfallen ließ. Mit einem Disco-Groove und einem Blues-Hauch durch einen Harmonika-Spieler, den sie in der Pariser U-Bahn gefunden hatten, wurde es der erste Nummer-Eins-Hit der Band seit fünf Jahren. „Es geht nicht wirklich um ein Mädchen“, sagte Jagger. „Das Gefühl des Verlangens ist das, worum es geht.“ https://www.youtube.com/watch?v=hic-dnps6MU
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