Tedeschi Trucks Band :: Revelator

Das Blues-Paar setzt auf Understatement statt Jam-Gewitter.

Bett und Tisch teilen sie schon länger – und dachten sich offenbar „wenn schon, denn schon“, als sie ihre Fenders (Telecaster) und Gibsons (SG, Firebird) nun erstmals für ein gemeinsames Album in die Verstärker stöpselten. Natürlich zu Hause in Jacksonville, Florida, mit Co-Produzent Jim Scott als auswärtige Studiofachkraft. Nicht weniger als neun Mitstreiter rekrutierten Susan Tedeschi und Derek Trucks für ihre neue Band, darunter in bester Familien- bzw. Allman- Brothers-Tradition gleich zwei Schlagzeuger, dazu auch Bläser und Background-Sänger.

Dass der Griff in die Vollen kaum musikalische Völlerei gebiert, hat – hübsche Ironie – wesentlich auch damit zu tun, dass die Besetzungsliste damit noch nicht erschöpft ist. Denn mit John Leventhal, Gary Louris, Sonya Kitchell und Doyle Bramhall II holte sich das Duo auch reichlich Songwriting-Expertise ins Haus, für ein Album, das ansatzweise nur in „Love Has Something Else To Say“ sowie im Hidden-Instrumental „Ghost Light“ Jam-Band-Horizonte erahnen lässt. Für alle, die gern „Trucks is God“ an Häuserwände (bzw. die Facebook-Pinnwand) schreiben würden, ist „Revelator“ also möglicherweise keine Offenbarung. Gleich zum Auftakt gibt’s in „Come See About Me“ fast demonstrativ erst mal ein quengeliges Clavinet-Solo, bevor doch noch die erwartete Slide-Breitseite kommt. Aber nicht zu breit, bitte.

So offenbart „Revelator“ die Meisterschaft von Derek Trucks gerade im Understatement, in den Tönen, die er nicht spielt oder gerade mal andeutet. Wie im sanft fließenden „Midnight In Harlem“, wo er sich dann doch noch zu singender Ekstase forttragen lässt. Oder im akustischen „These Walls“, dem Porträt einer verlassenen Frau, der im harten Alltag nur noch Beten hilft. All dies und noch einiges mehr singt Susan Tedeschi ebenso leicht wie emphatisch nach Hause. Die schönste weiße Blues-Gospel-Stimme seit Bonnie Raitt? Bonnie würde vermutlich nicken. (Sony Classical) Jörg Feyer

Beste Songs: „Midnight In Harlem“, „These Walls“

Manfred Maurenbrecher ****¿

Wallbreaker – Solo live

Wunderbare Songs und Erzählungen auf einem Doppelalbum

Das Sheraton Hotel zu Luxor in Ägypten rät dem Gast „Bitte berühren Sie das Management“ und empfiehlt: „Niedrig bleiben!“. Daraus hat Manfred Maurenbrecher das erste Stück dieses Programms formuliert, eine Anekdote nur, aber mit teleologischer Pointe: „Vielleicht war Gott nie so nah wie im Sheraton Hotel in Luxor.“ Und dann greift er in die Tasten, wie man so sagt, und spielt „Durch die Wand“, das furiose Poem, das die Route vorgibt: „Wallbreaker“ handelt von Reisen, durchaus auch von solchen, für die man nicht aus dem Haus zu gehen braucht – wobei man manchmal, so Maurenbrecher, das Gefühl hat, sich selbst nicht zu verändern, während die Zeit draußen vorbeirauscht.

Maurenbrecher schöpft aus dem Leben, er erzählt von seiner Familie und vom Älterwerden, vom „südwestlichen Vorort“, in dem er wohnt, von Amerika in „Brooklyn Heights“, von der „Schrägen Straße“. Die Sprechtexte handeln von Smartphones und Hartzern, von einer Nachbarin mit süßen Füßen, von einem tristen Winter auf Kreta im Jahr 1979 und einem Landgasthof in der Uckermark, in dem vier Schweiger schon vormittags am Stammtisch sitzen, und einer Zugfahrt von Leipzig nach Erfurt.

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