The Black Keys Turn Blue


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Eine Schrammelgitarre, eine seufzende Orgel, ein Dudelsolo und ein jammernder Dan Auerbach: „I used to think darling you never did nothing/ But you were always up to something.“ Der Song „Weight Of Love“ zieht sich zwischen „Us And Them“ und „Hotel California“ in eine einsame Ecke zurück, pflegt seine Depressionen. Und die Jungs, die schon enttäuscht waren, dass die Single „Fever“ keine knuffig-straighte Rock’n’Roll-Nummer war wie „Lonely Boy“, werden erst recht erschüttert sein, wenn sie nun dieses in Richtung Progrock schielende Break-up-Epos hören, das „Turn Blue“ eröffnet. Der längste Song, den die Black Keys je aufgenommen haben, macht klar: Jetzt ist Schluss mit der unbekümmerten Direktheit von „El Camino“. Jetzt geht’s ans Eingemachte.

Wenn „El Camino“ Rock’n’Roll war, ist „Turn Blue“ Soul – Falsettgesang statt Sturm und Drang, einmal ums Eck statt ab durch die Mitte. Gut sind die Songs trotzdem. Das mit einem schlackernden New-Wave-Beat und einer quakenden Farfisa-Orgel verzierte „Fever“ ist ein Liebeslied auf Süchte jeglicher Art. Näher als in dem von einem knackigen Bass angeschubsten „10 Lovers“ haben sich die Black Keys noch nie an Disco herangetraut. Und ihre Soul-Aneignungen verzieren sie mal funky und mit übersteuerten Drums („Year In Review“), mal mit hübschen Gitarrenschnörkeln („In Time“).

Wenn die Black Keys nicht gerade mit Soul spielen, werden mürrische Boogiespielarten ausprobiert („It’s Up To You“) oder ein bluesiger Shuffle und Beatlesharmonien aufeinander losgelassen („In Our Prime“). „The house it burned but nothing there was mine/ We had it all when we were in our prime“, klagt Auerbach in dem Song, der das eigentliche Finale des Albums ist. Denn was dann folgt, fühlt sich an wie eine Zugabe: „Gotta Get Away“ kehrt tatsächlich zum Rock’n’Roll zurück, ist The Sweet meets Creedence Clearwater Revival. Und all die Jungs, die „Lonely Boy“ hinterhertrauern, werden zuletzt wenigstens ein bisschen besänftigt.

 Gunther Reinhardt


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