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The Cure – 4:13 Dream


Wenn alles gesagt und getan ist, aber die verbleibende Lebenszeit kein Aufhören zulässt, macht man eben weiter wie gewohnt.

Beinahe jährlich hat Robert Smith in den letzten 32 Jahren die Auflösung von The Cure angekündigt – und doch stets neue Musik aufgenommen. Auch wenn man jetzt erfreut notiert, dass Porl Thompson wieder dabei ist und der treue Simon Gallup sowieso, klingen und klangen Cure-Alben eigentlich immer nur nach Smith – und seit einigen Jahren leider ziemlich egal.

Immerhin ein paar schöne Lieder sind meist dabei. Diesmal sogar deutlich mehr als bei jenem ärgerlichen Gelärme, das der nicht immer geschmackssichere Smith vor vier Jahren vom sogenannten Nu-Metal-Produzenten Ross Robinson veranstalten ließ. Einen weich wattierten Luzid-Traum wie „Underneath The Stars“ hört man zum Beispiel immer wieder gern von dieser Band.

Früher hätte Smith hier Untergangszenarien entworfen, heute gibt’s Treueschwüre: „Spinning round and round with you/ Watching shadows melt the light.“ Überhaupt gewinnt der Romantiker in ihm an Kontur. Der funkensprühende Samba-Pop „Freakshow“ war ja schon die überzeugendste der vier Vorab-Singles. Nun nimmt das Stück auch hier eine Sonderstellung ein – der, Verzeihung, slickeste dance shit, den man von Smith seit jenen Singles hörte, mit denen er sich einst vom „Pornography“-Nachtmahr befreite.

Im Gegensatz zu den monothematischen Großwerken früherer Tage zitiert „4:13 Dream“ alle Phasen der Cure-Karriere und fügt sich so zu einer Art Best-Of mit neuen Songs. „Scream“ hätte auf „The Top“ sein können, das an U2s „Walk On“ erinnernde „Only One“ enthält keine melodische Wendung, keinen kieksenden Schrei, der nicht mit „Just Like Heaven“ bereits ausformuliert gewesen wäre, „Perfect Boy“ wirkt routiniert und fast gelangweilt. Aber dann geben einem „Switch“ oder „Real Snow White“, ein Stück Glauben an diese Musik zurück – swingin‘ in a wild mood im fünften Lebensjahrzehnt.

Robert Smith singt jetzt immer öfter von der Ewigkeit. Zudem hat er offenbar selbstironische Züge bei sich entdeckt: „I won’t try to bring you down about my suicide“, heißt es in „Reasons Why“. Früher wollte er das Gegenteil. Dieser ewige Kindskopf. Der Junge, der nie erwachsen wurde, der ein abgeschiedenes Leben führt, seit seinem 14. Lebensjahr mit derselben Frau zusammen ist, der abends im Pub 20 Bier trinkt und sonntags mit den Neffen im Garten rumtollt.

Mit 15 empfanden wir sogar „Head On the Door“ als Verrat, weil plötzlich alles so positiv klang. Trotz des Kopfes vor der Tür, den Robert im Traum gesehen hatte. Die Zeile „It doesn’t matter if we all die“ hatte uns besser gefallen. Naive Todessehnsucht aus der Bürgerkindsperspektive, was für ein Luxus!

Niemals hätten wir damals gedacht, dass man 30 oder sogar 40 werden könnte. Oder dass es einfach immer weitergeht, ein Leben lang, und ausgerechnet die ehemaligen Schmerzensmusiker von The Cure auch dazu den Soundtrack liefern würden. Doch nun singt Smith im dämlich betitelten „Sleep When I’m Dead“ folgendes: „They told me I would life forever if I kept it clean.“(Universal)

Torsten Groß


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