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Anders als bei den Beatles wurde aus der Freundschaft zwischen Ed Sullivan und den Doors nichts: Der Sänger hatte entgegen der Verabredung beim live ausgestrahlten „Light My Fire“ die Zeile „Girl, we couldn’t get much higher“ nicht zu „… much better“ abgemildert! Vorher hatten sich die Doors erstaunlich konziliant gegeben, als Elektra-Boss Jac Holzman entschied, dass man das Wort „high“ besser komplett aus der Aufnahme von „Break On Through“ rausschneiden sollte. In der zensierten Urfassung ist die Aufnahme wieder in der Mono-Abmischung auf CD wie auch auf der Vinyl-LP dieser Edition zu hören. (Im Stereo-Remaster der „Studio Recordings“-Box von Bernie Grundman 1999 war das „high“ digital einmontiert wiederaufgetaucht.)

Teenie-Idol wider Willen

„Light My Fire“ trotz aller Einwände der Band um mehr als vier Minuten auf radiofreundliche Single-Spieldauer zu kürzen war Holzmans klügste Entscheidung. Womöglich wäre den Doors sonst dasselbe triste Schicksal beschieden gewesen wie diversen ehrgeizigen Artrock-Bands, die Elektra damals unter Vertrag hatte. Als erst mal die Improvisationen des Organisten unter Bruce Botnicks Schneidetisch gefallen waren, entwickelte der „Digest“ Hitpotenzial. Der schüchterne Frontmann mutierte zum Teenie-Idol wider Willen – um sich, zunehmend drogen- und alkoholabhängig, am Ende dann doch in der Rolle zu gefallen. Mit dem „Alabama Song“ als Alkoholiker­hymne deutete er Brecht-Weill-Klassik ganz anders als Bobby Darin oder Louis Armstrong bei ihren Aufnahmen von „Mack The ­Knife“. Die Art, wie er seine Vatermörder- und Inzestfantasien im Song auslebte, wurde die Sternstunde des Albums.

The Doors
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Später von Kritikern auch mal beschimpft (von Robert Christgau als „asshole“) oder bedauert (von Greil Marcus in seiner Doors-­Monografie unlängst als „a helpless, degenerate alcoholic“), inszenierte Jim Morrison in den düsteren, in seiner Kindheit gründenden Visionen von „The End“ eindrucksvolles Rocktheater. Holzman sorgte dafür, dass das „fuck“ in der finalen Abmischung nicht auftauchte. Wenn man neben anderen hier verpassten Chancen eines bedauern darf, dann, dass man als Zugabe nicht endlich die ungeschnittenen Aufnahmen von „The End“ findet, die man für den Soundtrack von „Apocalypse Now“ als Multitracks zum spektakulären Remix erstmals freigab. Dafür entschädigt auch der jetzt vom Originalband über­spielte Matrix-Mitschnitt vom März 1967 nicht. (Rhino/Warner)

Warner Music

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