The Waterboys : An Appointment With Mr. Yeats (Kritik & Stream) - Rolling Stone






The Waterboys  An Appointment With Mr. Yeats


Proper


von

Nicht viele Songs waren im Jahr 1984 so verrückt und kitschig, so bizarr und poetisch ist wie „Church Not Made With Hands“ und der „Red Army Blues“. Seitdem hat Mike Scott sehr viele Stücke geschrieben, hat den irischen Fischern zugehört, den schottischen Schafhirten, Wünschelrutengängern und Propheten, Hexen und Druiden, hat die gesamte britische Folklore auf seiner Gitarre nachgespielt, die Waterboys weitergeführt und niemals aufgehört, die Werke des irischen Dichters William Butler Yeats zu lesen. Nun hat er einige Gedichte zu Musik gemacht.

Und so singt er vom Vollmond im März, von Nachrichten für das Orakel von Delphi, von weißen Vögeln und der Lake Isle Of Innisfree, von der Zeit, bevor es die Erde gab, von einem irischen Flieger, der seinen Tod vorhersieht, und dem letzten Lied der Elfe. Mike Scott ist ein Spinner und Schrat, der fast alle Instrumente selbst spielt – und es ertönen Flöten, Saxofone, Geigen, Balaleika, Akkordeon, elektrische Gitarren und Ukulelen auf seinen Platten. Der Folk schlägt manchmal um in bombastische Psychedelia – binnen vier Minuten, wie in „Mad As The Mist And Snow“.

Aber Mike Scott ist auch ein Genie wie Van Morrison; seit drei Jahrzehnten trägt ihn seine Vision, seit „A Girl Called Johnny“ vom ersten Album. „An Appointment With Mr. Yeats“ hat das Pathos und die Glut, die Feierlichkeit und die Seele seiner besten Alben: „A Pagan Place“, „Dream Harder“, „Fisherman’s Blues“. Mythos und Volkslied, Sage und Märchen fließen in den Bewusstseinsstrom der Yeatsschen Anrufungen und Scottschen Songs, die oft von schierer Schönheit sind wie das Fade-out von „The Faery’s Last Song“, wie „Sweet Dancer“ und „Let The Earth Bear Witness“. Und endlich hat Mike Scott das Stück komponiert, das absolute Mike-Scott-Irrsinns-Lied, eine Rhapsodie mit drängendem Beat und Pianospiel und brennenden Gitarrensoli und der Stimme eines Sehers: „September 1913“. Ein wildes, beispielloses, beseeltes, tief bewegendes Album.

Beste Songs: „September 1913“, „Politics“

Wir verlosen drei Mal das Album „An Appointment With Mr. Yeats“. Wer zu den glücklichen Gewinnern zählen möchte, schreibt rasch eine E-Mail mit dem Stichwort „Waterboys“ an verlosung@www.rollingstone. Viel Glück!


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