Thea Gilmore – Songs From The Gutter :: Flying Sparks
Das Album hat einen weiten Weg hinter sich. Erst sollten die „Songs From The Gutter“ bloß im Internet veröffentlicht werden – schließlich will Thea Gilmore demnächst schon wieder ein neues Album rausbringen, und dies hier sind ja „nur“ Rohlinge, die sie ohne viel Brimborium in wenigen Tagen im Kasten hatte und auf der zweiten CD – Aufnahmen, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt haben. Also tunlichst nicht zu viel Werbung machen, bitten die zuständigen Firmen – paradox, aber Gilmore ist wohl einfach zu produktiv für den durchschnittlichen Verbraucher. So viel will ja kein Mensch hören, oder? Und ob. Die gerade mal 24-Jährige hat uns bisher noch kein schlechtes Lied zugemutet, und sie tut es auch diesmal nicht.
Mit ihrem zauberhaft britisehen Akzent, der fordernden und doch fragilen Stimme und der Fähigkeit, sich auf das nötigste Instrumentarium zu beschränken, werden ihre Songs zu kleinen Hymnen – frei von wichtigtuerischen Gesten, voller Kraft. Die seltsamen Trommeln bei „The Dirt Is Your Lover Now“, immer wieder die Akustik-Gitarren, das weit nach vorn gemischte Flüstern von „Water To The Sky“ – nie zuviel, stets genug.
Und jetzt kommt’s: Gilmore kann sogar Dylan covern, ohne dass es peinlich wird. Dir „I Dreamed I Saw St. Augustine“ ist gespenstisch schön – fast so gut wie neulich ihre Version von „Cover Me“. Dass sie auch noch Springsteen-Verehrerin ist, passt. Gilmore erzählt gern simple Geschichten, die einen nicht mehr loslassen. Sie mag zornig sein, aber nie sinnlos wütend. Sie kann resigniert klingen, aber dahinter ist immer ein Schimmer Hoffnung. In „Tear It Down“ formuliert sie das so: „You have stumbled from the cradle to a prayer/ But in this darkened room we have got heart enough to burn/ We can dance away the hours we can leave our questions here.“ – „Dancing In The Dark“
revisited.
In ein paar Monaten soll es dann kommen, das „richtige“ Album, mit verfeinerten, perfekt produzierten Songs. Man bekommt fast Angst.