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Die Streifenpolizei - der Podcast für Film & Serien vom Rolling Stone & Musikexpress

Villagers The Art Of Pretending To Swim


Glaube und Zuversicht sind die Schwimmhäute am Spreizfuß des Schicksals. Diese Analogie liegt nahe, wenn man das im Vergleich zum bisherigen Villagers-Œuvre überraschend gefestigte neue Album studiert. „I’ve found again/ A space in my heart again/ For God again/ In the form of art again“: die Kunst des Glaubens und der Glaube an die Kunst als erlösende Insel. Erstaunlich, dass „The Art Of Pretending To Swim“ nicht im irischen Bade­ort Malahide aufgenommen wurde, wo die ersten drei Villagers-­Platten entstanden waren. Von der maritimen Szenerie sind nur noch die in Foyer und Finale eindrücklich zu vernehmenden Möwen übrig geblieben.

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Conor O’Brien wohnt jetzt mitten in Dublin, in einem beichtstuhlgroßen Apartment, und hat ausgerechnet in dieser klaustrophobischen Enge den weitreichenden Zyklus des über Religiöses hinausgehenden Glaubens aufgezeichnet, das Lebenslabyrinth zwischen Schwimmen und Untergehen in neun luziden Liedern koloriert und musikalisch expandiert. Die neuen Stücke sind rhythmisch so pointiert und raffiniert, wie es sich „Rhythm Composer“ bereits auf „{Awayland}“ (2013) ausgemalt hatte. Während auf dem Debüt, „Becoming A Jackal“ (2010), noch schmalschultrige vokale Verzagtheit dominierte, thront jetzt ­eine besonnene Entschlossenheit in der Stimme des 34-Jährigen. Die Erkenntnis, dass mit dem reduzierten, introvertierten „Darling Arithmetic“ (2015) die leisen Nuancen und alten Zaudersprüche endgültig durchgespielt waren, führte zum inspirierenden Erwerb eines Mischpults aus dem Besitz von DJ, Remixer und Produzent James Holden.

Erstmals wurden auch Samples integriert (Donny Hathaway, The Dixie Hummingbirds), doch trotz experimenteller Euphorie bleiben die Melodien stets prägnant und präsent. ­Detail- und Facettenreichtum sind ebenso imponierend wie die hinreißend groovende Single „A Trick Of The Light“ und das brillante Streicher-Arrangement von „Hold Me Down“. Und so libidinös wie „Sweet Saviour“ klang noch kein Villagers-Song!

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Doch der Glaube nützt letztlich nur dem beherzten Selbsthelfer: „If you believe that your time is coming/ But you’re counting on your saviour to call/ You’re gonna be a long time waiting.“ Nicht nur im hypnotischen Ermutigungs­mantra „Real Go-Getter“ wird O’Brien zu seinem eigenen Seelenrettungsschwimmer. Und den Soul rettet er auch noch.

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Dies sind die Alben des Jahres 2018 von ROLLING-STONE-Autorin Ina Simone Mautz. Die Gesamt-Übersicht aller Redakteure und Autoren finden Sie in der Januar-Ausgabe - mit großem Jahresrückblick. Okkervil River - In The Rainbow Rain Villagers - The Art Of Pretending To Swim Father John Misty - God’s Favorite Costumer Marlon Williams - Make Way For Love Laura Gibson - Goners Get Well Soon - The Horror Fins - How Will Our Hero Get - Out Of This One? Tom Liwa - Ganz normale Songs Lucy Dacus - Historian Sophie Hunger - Molecules Theodor Shitstorm - Sie werden dich lieben Jonathan…
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