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Westernhagen – So weit – Best Of Westernhagen


Marius blickt zurück - mit einem zu- gekniffenen Auge bei der Frühzeit

Der Kollege Grönemeyer meinte neulich, dass er in einer Best-Of-Kompilation keinen Sinn sehe. „Das kann man machen, wenn man 60 ist“, plauderte er einer „Viva“-Plaudertasche ins Mikrofon (übrigens um seine üppig orchestrierte Live-Best-Of zu promoten). Der Kollege Westernhagen hat da weniger Skrupel, schon mit 52 zu zeigen, wie weit er gekommen ist Ist ja auch keine Schande.

Wer die Doppel-CD kaufen mag, hat 29 Stücke in der Hand. Schon die ersten vier beleuchten das Problem dieser Sammlung nachhaltig – und damit das des Karriereherbstes von Marius Müller-W. aus Düsseldorf. Track 4 beginnt nämlich mit der dreckigsten Blues-Harp der deutschen Rock-Geschichte und den Zeilen „Mit 18 rannt‘ ich in Düsseldorf’rum, war Sänger in ’ner Rock’n’Roll-Band…“ Ein Stück aus den seligen Zeiten Ende der 70er Jahre, als man mit Pfefferminz zum Prinzen mutierte und der Mime Marius noch glaubhaft den proletigen Rocker gab. Der Kontrast zu den beiden neu aufgenommenen Stücken „Du bist nicht allein“ und „Rosanna“, die diese Werkschau eröffnen, könnte krasser nicht sein: zwei weichgespülte Bücklinge vor den Bedürfnissen des gleich geschalteten Formatradios, mit denen uns die Firma Westernhagen seit dem 1992er Jaja“-Abum mit konstanter Boshaftigkeit behelligt. Natürlich ist die gesamte MMW-Erfolgsreihe der 90er Jahre vertreten: „Es geht mir gut“, „Wieder hier“, JRosi“ und wie all die teils sentimentalen, teils zupackenden Hits so heißen, die ja niemanden im Büroschlaf aufschrecken oder auf der Autobahn aus der Kurve werfen. Der Kontrast zu den unterhemdsärmeligen „Ladykiller“, „Johnny W.“ oder „Geiler is‘ schon“ ist eklatant.

Zumal es überhaupt nicht nachvollziehbar ist, warum jemand, der wahrscheinlich sogar von vertonten Bundestags-Reden eine halbe Million Exemplare ungehört im Vorverkauf absetzen könnte, nicht bereit ist, auch nur das kleinste künstlerische Risiko einzugehen. Die alten Artgenossen aus jener Deutschrock-Dinosaurier-Riege haben inzwischen entweder ihre Band völlig umgekrempelt (Niedecken) oder ihre Neigung zu den zeitgenössischen Sounds dezent eingearbeitet (Grönemeyer) – nur der Mann mit der absoluten Platin-Garantie macht sich zum König eines Massengeschmacks, den er genausogut prägen könnte. Die“5o »«/“-Kompilation ist dafür nur ein weiteres Beispiel.

Immerhin sind sämtliche Westernhagen-Alben remastered worden, so dass man sich auch heute noch einen Eindruck davon verschaffen kann, wie der Marius klang, als er noch nicht ganz „so weit“ war. Freunde dieser Zeit werden das „Best Of“ verschmähen, das Publikum der späteren Jahre freut sich indes über die Gabe unterm Weihnachtsbaum.


Die besten Gitarristen aller Zeiten: Keith Richards

Die besten Gitarristen aller Zeiten: Keith Richards Text von Nils Lofgren Ich erinnere mich, wie ich auf der Highschool „Satisfaction“ hörte – und nicht glauben wollte, welchen Schock es bei mir auslöste. Es ist diese Kombination aus dem Riff und den Akkorden, die darunter einen Kontrapunkt bilden. Keith kann mit zwei, drei Noten Vignetten schreiben, die substanzieller sind als jedes große Solo. Auf „Gimme Shelter“ spielte er die Lead- und die Vibrato-Rhythmus-Gitarre – und schuf damit eine bedrohliche Atmosphäre, wie es vor ihm noch keiner geschafft hatte. Der Kontrast zwischen den beiden Gitarren öffnet den Raum für Mick Jagger, um…
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