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Blackout Tuesday

Wie alle anderen John Burnside


Der Schotte John Burnside ist vielleicht der letzte Mystiker unserer Tage, zeigt er seinen Lesern doch in seinen düsteren, nicht selten apokalyptischen Romanen und seinen Gedichten, die nun endlich in dem jüngst erschienen zweisprachigen Band „Anweisungen für eine Himmelsbestattung“ auch in deutscher Übertragung vorliegen, die Geheimnisse hinter den Erscheinungen. Das gilt umso mehr für seine Memoiren – der fabelhafte erste Band, „Lügen über meinen Vater“, erschien 2011 auf Deutsch –, in denen er die Wahrheit in den Geschichten sucht, die ihm geholfen haben, zunächst seinem tyrannischen Vater und später seinen inneren Dämonen zu entkommen.

Der zweite Band seiner Erinnerungen, „Wie allen anderen“, beginnt mit dem Epilog. „Vor Kurzem, als ich noch verrückt war, fand ich mich in der seltsamsten Irrenanstalt wieder, die ich je gesehen hatte“, berichtet Burnside und zeichnet eine absurde Szene: Er sitzt in einem großen Krankensaal und erkennt, dass er sich stundenlang mit einem Geist unterhalten hat; ihm gegenüber sitzt ein Pfleger, Dostojewskis „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ lesend.

Burnside leidet an einer Form von Schizophrenie, der Apophänie, sieht Muster und Verbindungen, wo keine sind, und misst allem eine höhere Bedeutung bei, „sieht Gott und den Teufel im letzten Rest der Fertignudeln“. Bei der ständigen Suche nach Sinn droht er in den Reizen, die auf ihn einströmen, zu ertrinken und sucht sich schlaflos in Drogen und Alkohol ein Rettungsboot.

Nachdem er Körper und Geist ein Jahrzehnt lang betäubt hat, erwacht er mit Ende 20 in seiner versifften und verdreckten Bude, und Todesangst steigt in ihm auf. Er beschließt, sich auf den Weg in ein normales, bürgerliches Leben zu machen. Doch die Geister der Vergangenheit, der Alkohol und schließlich der jede Ordnung verneinende Ausnahmezustand der Liebe kommen ihm in die Quere, und er muss schließlich einsehen, dass die Normalität eine viel größere Lüge ist als das Verrücktsein. Die Wahrheit findet Burnside in den kleinen Epiphanien, Momenten für die Ewigkeit, die ihn herauslösen aus dem Grau des Alltags. (Knaus, 19,99 Euro)


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