Wie makellos sind die „Imperfect Women“?
Drei großartige Schauspielerinnen machen die Thriller-Serie „Imperfect Women“ zu einem Erlebnis.
Als Serien-Freak kommt einem schon das Plakat für „Imperfect Women“ nahezu makellos vor. Drei Schauspielerinnen in einem Achtteiler, eine großartiger als die andere: Kerry Washington war die geniale, gequälte Troubleshooterin in „Scandal“. Elisabeth Moss die Aufsteigerin in „Mad Men“ und die Sklavin in „The Handmaid’s Tale“. Kate Mara wurde als Journalistin in „House Of Cards“ von Kevin Spacey vor den Zug gestupst. Nun spielen sie beste Freundinnen in der High Society. Nancy (Mara) hat sich den privilegierten Status hart erkämpft – und landet gleich zu Beginn in der Pathologie. In Rückblenden erfährt man, wie es zu dem Mord kam – und dass die Beziehung des Trios doch nicht ganz konfliktfrei war.
Eleanor (Washington) kommt aus reichem Haus, leitete eine Wohltätigkeitsorganisation und hat ein komplexes Verhältnis zum Witwer. Mary (Moss) bemüht sich so obsessiv um die Aufklärung des Mordes wie um den Zusammenhalt ihrer Familie. Die Adaption von Araminta Halls Thriller lebt vor allem von den Verstrickungen und Spannungen, der Liebe und den Enttäuschungen der drei, die zwischen den luxuriösen Kulissen versuchen, nicht durchzudrehen.
Traumata und Sehnsüchte werden eher küchenpsychologisch erklärt, aber äußerst spannend ist „Imperfect Women“ definitiv. Und es werden einige essenzielle Fragen gestellt: Wie viele Geheimnisse hält eine Freundschaft aus? Warum trauen wir uns oft nicht, anderen auch unsere schwierigen Seiten zuzumuten? Und wieso leiden eigentlich so viele Männer an einem übersteigerten Selbstbewusstsein? Wenn dann noch Corey Stoll („House Of Cards“, „Billions“) ins Spiel kommt, ist die Inszenierung perfekt. Ganz überraschend ist die Auflösung des Falls nicht, dafür haben wir vielleicht auch einfach schon zu viele ähnliche Serien gesehen, aber es bleibt bis zum Ende fesselnd. (AppleTV+)