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Die Streifenpolizei - der Podcast für Film & Serien vom Rolling Stone & Musikexpress

Xavier Naidoo Alles kann besser werden


Das hätte Xavier besser wissen können: Schaum vor dem Mund versaut die Präzision der Aussage. Und die ungelenk geschwungene Dachlatte sorgt niemals für erhöhte Schlagkraft der nachvollziehbaren Empörung, sondern für Lächerlichkeit. Für Agitprop mit der intellektuellen Strahlkraft von „Alles ist doof“ oder „Gandalf for President“. Aber ewige Debatten um seine Person, ein streitbarer Charakter und, zugestanden, die Grusellage sozialer und politischer Kultur hierzulande ließen dem Barden alle Sicherungen durchbrennen. 35 Songs auf drei CDs, Maßlosigkeit als Programm, therapiebedürftige Hybris als Problem.

Die ersten beiden Alben, Naidoo nennt sie „hell“, bieten nur eine Überdosis an Aufrüttlern und Mutmachern und Liebesbekundungen. Die melodiöse Mozart-Reverenz „Ich warte bis du kommst“ und das folkige „Meine Muse“ ragen heraus aus dem soliden, wenngleich oft hölzern aus dem Wörter-Setzkasten gereimten Sortiment. Das Filmorchester Babelsberg versieht alles mit volltönender Politur, stimmlich und gesangstechnisch kann eh niemand dem Melismen-Artisten was vormachen.

Aber dann kommt die dritte CD, „dunkHell“ nennt sie Xavier und schickt ihr zu schwellenden Klängen ein düster gerauntes Intro à la „Jeanny“ voraus: „Du willst es also wissen, was sich auf der dunklen Seite verbirgt? Bist du sicher? Du musst es nicht tun…“ Oha! Wer diese Warnung ernst nimmt, der verpasst Abrechnungen mit den Lohnkillern in Camouflage („Söldnerlied“) und mit angeblich historischer Fakten („Schiff Ahoi“), vor allem „Sie verdienten unseren besonderen Schutz“, einen hellsichtigen Song über Kindesmissbrauch und die Macht der Sprache – und einen verblüffenden Amoklauf. Womöglich sollen „Raus aus dem Reichstag“ und die folgenden Songs die bittere Medizin sein, die das Land heilt. Aber die wirren Tiraden gegen die Berliner Szene („Ihr habt den Karren tief in den Dreck gefahren und zur Strafe nenne ich jetzt eure Namen“), gegen das System („Zins und Zinseszins haben ausgedient, die USA haben ausgedient, Barack Obama hat ausgedient“; aus „Verschieden“), gegen die mit Geheimbünden paktierende Presse („9/11, London und Madrid, jeder weiß, dass Al Qaida nur die CIA ist“, aus „Goldwaagen/Goldwagen“) bedienen sich doch nur aus der klitzekleinen Hausapotheke der Hobby-Verschwörungstheoretiker.

Kooperation

Xavier gegen den Rest der Welt. Gute Argumente? Gute Besserung!

Rüdiger Knopf


Best Of Britpop: Die 10 besten Alben einer Ära

Die Grundlage des Britpop: The Stone Roses – „The Stone Roses“ (1989) Bis dahin waren es unstete, unbefriedigende Jahre in der englischen Popkultur, ohne Richtung und Reibung. Maggie Thatcher, lange sinn- und solidaritätsstiftendes Feindbild, war im Begriff, sich selbst vollends zu demontieren, als sich Factory-Eigner und Hacienda-Betreiber Tony Wilson in einem Akt waghalsiger Geschäftstüchtigkeit weit aus dem Fenster lehnte und „Madchester“ zum Mittelpunkt der Welt erklärte. Die Zukunft des Pop sei seine Tanzbarkeit, so der smarte Tony, in der Eroberung des Dancefloor mit Gitarren. Und genau dies ereignete sich in Manchester. In der Retrospektive erwies sich der Marketing-Schachzug sicherlich als…
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