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Yo La Tengo Fade


Matador/Beggars


von

Die Elektrogitarre klimpert selbstvergessen vor sich hin, stimmt ein einsames Lied an. Rüde kommt ihr aber dieser rumpelnde Beat in die Quere, der nicht so recht passen will, sich aufdringlich Platz verschafft. Und gerade als man glaubt, dass das nicht gut gehen kann, finden die Gitarre, der Beat, Yo La Tengo und der Song „Stupid Things“ zu einem hypnotischen Traumherzschlag zusammen. Die Songs auf „Fade“ verwandeln sich oft in solche Indie-Rock-Meditationen. Wie auch die Nummer „Ohm“, die das Album eröffnet und mit feinen Veränderungen immer weiter macht, während Ira Kaplan davon erzählt, das eben nicht alles für immer ist („But nothing stays the same/ Nothing’s explained/ The stronger the wave, the faster we’ll flood/ Cause this isn’t the road we know“).

„Fade“ ist ein weiteres Großwerk dieser Band aus Hoboken, die wir längst ins Herz geschlossen haben. Weil sie mit schlafwandlerischen Leichtigkeit die große Lücke zwischen Sonic Youth (das lustig zuckende „Paddle Forward“) und Belle & Sebastian (das grummelnde „Well You Better“) überspringen. Weil sie sperrig-schöne Popsongs wie „Is That Enough“ aus dem Nichts hervorzaubern, in denen Platz für Noise-Gitarren, aber auch Streicherschmalz ist. Weil sie in „I’ll Be Around“ dumpf pulsierenden Synthiebass-Oktaven auf folkloristische Fingerpickings treffen lassen, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Weil diese Songs hochempfindlich, zart, aber nie gefällig sind, einen atmosphärischen Soundtrack fürs Älterwerden liefern und die richtigen Fragen stellen. Und weil Yo La Tengo das Album mit einem verworrenen Beat, mit Streichern, Bläsern und dem epischen „Before We Run“ enden lassen – und mit der Zeile „There’s only us“.


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