Robert Crumb illustriert die Bibel


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Hurende, prügelnde, korpulierende, kiffende Katzen. Klempner, die durch meterlange Klo-Rohre in kotverschmierte Unterwelten tauchen. Yetis, die sich mit Menschen paaren. Und immer wieder: große, fleischige Frauenhintern – der Lieblingsfetisch des Robert Crumb. Mit diesen Zeichnungen, die bis in die frühen Sechziger zurückreichen, hat sich Robert Crumb nicht unbedingt empfohlen, die heilige Schrift in Bildform zu bringen. So manchen Christen wird die Tatsache, dass ausgerechnet Crumb sich nun das erste Buch Mose vorgenommen hat, also nicht unbedingt gefallen. Das Enfant terrible des alternativen Comics als Bibelillustrator? Gott bewahre!

Aber der Band, der gerade im Carlsen Verlag auf Deutsch erschienen ist, verzichtet für Crumb-Verhältnisse erstaunlich oft auf eine explizite Darstellung und zeigt, dass Crumb das Thema durchaus respektvoll angegangen ist. Dennoch hat Crumb bei der Buchpräsentation in Paris klargestellt, dass er die Bibel nicht für eine heilige Schrift halte: „Für mich ist es kein heiliger Text, sondern ein Mythos voller kraftvoller Geschichten und Bilder. Es ist unglaublich, dass Millionen von Menschen diesen Text so ernst nehmen, aber die Menschheit ist eben verrückt.“ Der Text der Genesis sei „bizarr und schräg und gleichzeitig so verwurzelt in unserer Kultur“. Auch die vier Jahre währende Arbeit an dem Band hat ihn dem Christentum nicht näher gebracht. Er sei weiterhin „unreligiös aber spirituell suchend“, wie er zu Protokoll gab. Aber: „Ich habe allenfalls meine Zeichenkünste verbessert und kann jetzt ein Kamel aus der Hand zeichnen“. Informationen zum Band gibt es hier.

Die ersten fünfzig Zeichnungen des Bandes kann man hier einsehen.