ROLLING STONE stellt Janine Wissler (Die Linke) zehn Pop-Fragen: „Meine erste CD war ‚Tourism‘ von Roxette“


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1. Was war Ihre erste selbst gekaufte Platte?
Meine erste Schallplatte war eine Beatles-Platte. Meine erste CD war „Tourism“ von Roxette.

2. Haben Sie ein absolutes Lieblingsalbum, zu dem Sie immer wieder zurückkehren?
Meine Doors-Schallplatten.

3. Welches Album haben Sie sich zuletzt gekauft, in welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Ich glaube, das war von Zaz. Mein letztes Konzert war Feine Sahne Fischfilet vor zwei Jahren in Paris.

4. Bei welcher Musik sagen Sie Ihren Kindern oder Eltern, dass sie das bitte leiser drehen sollen?
Meine Eltern hatten mal eine Zeit, in der sie gern die Interpretation bekannter Popsongs durch gregorianische Chöre hörten. Das war nicht schön, hat sich aber auch wieder gelegt.

5. Waren Sie mal Teil einer Subkultur oder Protestbewegung? Wenn ja, welcher?
Als Teenager hatte ich eine Hippie-Phase mit Blumenkleidern meiner Mutter aus den Siebzigern, Schlaghosen, Flowerpower und Janis Joplin. Protestbewegungen, in denen ich ziemlich aktiv war, waren die sogenannte globalisierungskritische (ich würde eher antikapitalistische sagen) Bewegung um die Jahrtausendwende mit den Protesten gegen den G8‐Gipfel in Genua und den Sozialforen. Und natürlich die Bewegung gegen Studiengebühren.

6. Wenn Ihre Partei eine Band wäre, was wären Sie dann: Schlagzeuger, Basser, Keyboarder, Gitarrist, Leadsänger? (Bitte ein Begründungssatz.)
Na ja, als Parteivorsitzende ist man wohl eher die Leadsängerin. Hier gilt, in der Partei wie in der Band: Die Leadsängerin steht im Vordergrund, aber der Anteil aller anderen ist genauso wichtig, und es funktioniert nur, wenn alle zusammenspielen und im Takt bleiben.

7. Welcher Songtext oder Satz aus einem Song könnte ein guter Slogan für Ihren Wahlkampf sein?
„Eat the rich.“

8. Was ist die wichtigste kulturpolitische Maßnahme nach der Pandemie?
Wir müssen die kleinteilige und vielfältige Kulturlandschaft erhalten. Dazu gehört das kleine Programmkino, das freie Schauspielensemble, die Musikkneipe, das Kindertheater, das soziokulturelle Zentrum, die Musikschule und vieles mehr. Wenn diese Strukturen einmal zerstört sind, ist es schwierig, sie wiederaufzubauen. Dann gibt es irgendwann nur noch die Großkinos und die großen kommerziellen Konzertveranstalter. Dafür brauchen wir finanzielle Förderung, einen Mietschuldenfonds und ein Pandemieüberbrückungsgeld.

9. Was sind die drei drängendsten Probleme der Kulturpolitik?
Zu wenig Räume, zu wenig Planbarkeit durch oft nur kurzfristige Projektförderung, zu wenig soziale Absicherung für Kulturschaffende.

10. Sollte Popkultur wie Theater und klassische Musik stärker gefördert werden?
Ja. Konzerthallen, Clubs und Musikkneipen sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturszene und sollten als solche anerkannt und ge- fördert werden. Um die Vielfalt zu erhalten und um Arbeitsplätze zu sichern.