ROLLING STONE wird 20. Unsere Helden, Teil 14: Eddie Vedder


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 Zu den wenigen gro-ßen Rockbands, die heute noch Stadien füllen, zählen gerade mal eine Handvoll, deren Mitglieder unter 50 sind. Pearl Jam gehören knapp dazu: Eddie Vedder wurde am 23. Dezember 1964 geboren. Als der Grunge-Hype am größten war und seine Band mit ihrem Debüt „Ten“ die Welt eroberte, war Vedder also schon kein ganz junger Mann mehr, von Abgeklärtheit allerdings weit entfernt. Der Band kommt seine Sensibilität zugute: Dem eher klassischen Rock der Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready setzt Vedder das Zarte, auch das Widerständige entgegen. Mit dunkler Stimme erzählt er vom Leben am Rande der Gesellschaft, seit 23 Jahren wütet er gegen die Verhältnisse. Und doch hat die Musik von Pearl Jam immer etwas Erhebendes – man merkt das bei den Konzerten: So viel Euphorie spürt man bei den Killers oder Kings Of Leon niemals, schon gar nicht drei Stunden lang.

Eddie Vedder ist ein Rockstar, auch wenn er den Begriff ablehnt. Auf der Bühne duckt sich der Charismatiker nicht mehr weg, sondern kommt dem Publikum entgegen, erzählt lustige Geschichten und scherzt mit den Kollegen. Eine Pulle Wein pro Auftritt braucht er trotzdem, mindestens. So entspannt, wie Vedder heute ist, schien er nicht immer. Eine Zeitlang war er dem amerikanischen ROLLING STONE gram, weil der 1996 „aufgedeckt“ hatte, dass er in seiner Jugend gar kein komplexbeladener Stubenhocker war, sondern ein äußerst ehrgeiziger Surfer-Dude. Vorher hatte ihn Kurt Cobain schon bezichtigt, für eine „Alternative-und-Schwanz-Rock-Fusion“ verantwortlich zu sein. Daran knabberte er jahrelang, dann fand er sich einfach ab mit dem Erfolg, der letztlich besser war als jede Alternative. Nach Cobains Tod lautete seine neue Philosophie: „I’m gonna quit being a quitter.“

In Seattle, wo von der Grunge-Zeit nicht mehr viel übrig ist, haben sich die letzten Überlebenden ein nettes Hauptquartier eingerichtet. Wenn man dort eintritt, spürt man, warum das System Pearl Jam schon so lange so gut funktioniert: Die Band arbeitet seit Jahren mit denselben Leuten zusammen, sie fühlt sich in ihrem kleinen Kosmos wohl. Auch wenn Vedder leise spricht und manchmal ein bisschen stammelt, hat man doch stets das Gefühl, dass er genau weiß, was er will. Er und seine Kollegen lachen zudem mehr mit- und übereinander, als man angesichts der mürrischen Songs annehmen würde. Noch heute singt Eddie Vedder für die Verlierer und die Verlorenen, er selbst hat seinen Platz aber längst gefunden.



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