Rolling Stones: Familienausflüge und Drogenrausch an der Côte d’Azur


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Die Galerie de L’Instant ist ein Traditionshaus am Rande des Pariser Stadtviertels Marais. Spezialisiert auf große Schwarz-Weiß-Serien über Filmstars wie Steve McQueen oder Brigitte Bardot. Auch die ikonischen Bilder der Nouvelle Vague von Raymond Cauchetier waren hier zu sehen. Nun führen die Rolling Stones diese illustre Reihe fort.

Seit Ende der letzten Woche zeigt Fotograf Dominique Tarlé seine umfangreichen Arbeiten aus dem Sommer 1971. Intime Bilder aus der legendären Côte d’Azur-Villa von Keith Richards in Villefranche-sur-Mer. Als chaotisch-kreative Produktion des Albums „Exile on Main Street“ tief in der Bandhistorie der Rolling Stones verankert.

Im Gespräch mit „Bild“ berichtet der 73-jährige Tarlé über die freien Arbeitsbedingungen im Hause Richards ohne Restriktionen. Die Zeit in Südfrankreich wären für ihn somit keine Arbeit gewesen. Es hätte sich eher angefühlt wie Familienfotos zu machen.

„Nachdem ich die Bilder entwickelt hatte, brachte ich alle Fotos der Plattenfirma“, so Tarlé. „Wenige Wochen später riefen sie mich an und baten mich, meinen Koffer mit den Fotos wieder abzuholen. Die Stones hatten sich nur ein Dutzend Bilder herausgenommen, als Andenken. Den Rest durfte ich behalten. Es gab nie einen Vertrag, ich darf damit bis heute machen, was ich will.“

Der Fotograf räumt mit einigen Mythen auf. Statt exzessivem Drogengebrauch habe er auch einige Wochen mit fast schon rührender Familiendisziplin erlebt. Besonders Hausherr Keith Richards hätte sich ab sieben Uhr morgens um das Frühstück für Sohn Marlon und seine damalige Freundin Anita Pallenberg gekümmert. Auch Familienausflüge ins Umland habe es häufig gegeben.

Erst später, als die Band ein Studio für die Produktion von „Exile on Main Street“ im Keller einbauen ließ, wäre es wilder zugegangen. Je nach Charakter. „Privat haben sich die Stones nicht getroffen. Sie wohnten alle an der Côte d’Azur und trafen sich nur im Haus von Keith Richards, um Musik zu machen“, so Tarlé im BILD-Gespräch. „Da waren alle sehr kreativ. Aber privat hatten sie sich nichts zu sagen. Privat wurde sich nicht getroffen. Charlie Watts zum Beispiel hatte einen ganz anderen Charakter als Mick und Keith. Er war eher ruhig. Die Musik war sein Statement.“