Rufus Wainwright: Studioreport und Tracklist von „Out Of The Game“



In den Sear Sound Studios in Manhattan sitzen Rufus Wainwright und Mark Ronson und spielen eine nahezu fertige Version von „Out Of The Game“, dem Titeltrack von Wainwrights siebten Album ab. Sie nicken vor sich hin, während sie aufmerksam der augenblicklich noch unausgeschmückten, vom Klavier bestimmten Aufnahme zuhören. Könnte das der Hit sein, dem sich Wainwright bisher entzogen hat?

„Es gibt keinen Grund für mich, keinen Hit zu haben“, sagt der Sänger, einen Schal um den Nacken geschlungen, um den November Frost abzuhalten. „I want to keep it up with the Joneses. Oder besser: den Johnses. Wie in Elton John“.

Wainwrights poppige, zugängliche – ja sogar rockige – neue LP bildet einen starken Kontrast zum niederschmetternden „All Days All Nights: Songs For Lulu„, die er vergangenes Jahr, bloß zwei Monate nach dem Tod seiner Mutter, der Folk-Größe Kate McGarrigle, veröffentlicht hat. „Mein letztes Album war wirklich düster“, räumte er ein. „Aber es ist schön, alles etwas heller zu haben und nicht wieder eine Kathedrale der Trauer zu errichten“.

Früher im Jahr hatte Wainwright einige Demos an Ronson geschickt, seinem langjährigen, guten Freund. „Ich war von ihnen besessen“, sagt der Produzent. Das Duo hastete daraufhin durch 16 Songskizzen in nur acht Tagen, und arbeitete zusammen mit Sean Lennon sowie Mitgliedern der Dap-Kings, der Soul-Revival Crew, die Sharon Jones begleitete und die schon Amy Winehouses „Back to Black“ einspielte.

Es sind überwiegend Uptempo-Stücke, wie das Queen-ähnliche Rockstück „Jericho“, und „Rashida“, das mit einem Klavier im fünfziger Doo Wop-Stil ausgeschmückt wurde. „Ich wollte ein bisschen Großtuerei einbringen, wie man es bisher von Rufus‘ Platten noch nicht kennt“, sagt Ronson, der auch plant ein paar Songs mit Streichern und Bläsern zu veredeln – „um dieses David Bowie ‚Young Americans‘-Gefühl zu erzeugen“.

Aber dennoch hat Wainwright nicht die Absicht, vollends das zu verlieren, was er den „romantischen Rufus“ nennt. Die Ballade „Montauk“, die ausschließlich durch Wainwrights Stimme und ein kasakadierendes Klavier besticht, malt einen zukünftigen Besuch bei seiner 10 Monate alten Tochter Viva aus (Wainwright teilt sich seine Elternschaft mit seinem Partner,  Jörn Weisbrodt, und Vivas Mutter – Lorca Cohen, Tochter von Leonard Cohen).

Als später am Tag seine Tante Anna McGarrigle im Studio vorbeikommt, spielt Wainwright das ruhige, akkustische „Candles“ – das er als Tribut an seine Mutter geschrieben hat. Danach fragt eine begeisterte McGarrigle: „Hast du noch mehr davon?“

Die Session war intensiv. Ronson beharrt darauf, ausschließlich live aufzunehmen, für „Jericho“ brauchte er 19 Takes. Aber Wainwright sagt, es wäre eine willkommene Abwechslung von Projekten wie seiner kürzlich aufgenommenen Oper, „Prima Donna“, die ursprünglich von der New Yorker Metropolian Oper und dem Lincoln Center Theater in Auftrag gegeben wurde, jedoch 2009 nach einem Ausfall in U.K. uraufgeführt wurde.

„Nachdem ich mit mittelmäßigen Dirigenten und riesigen Symphonien zusammengearbeitet habe, war das jetzt ein spaßiger Ausflug“, sagt er. „Ich habe immer satte, üppige Alben gemacht, ich liebe das – aber ich habe erstmal genug davon. Mit einer Rockband zu singen, fühlt sich sehr natürlich für mich an.“

Nach einem weiteren Take von „Montauk“, wechselt Wainwright zu einer Oper über – aber nicht ohne dabei eine Witzlei über einen anderen Popstar einzuschieben. Fast sofort bereut er den Kommentar schon wieder, aber schiebt es schmunzelnd seiner neuen Rock & Roll Attitüde zu: „Jetzt bin ich großmäulig und hetero!“

Das Album „Out Of The Game“ wird voraussichtlich am 08. Mai 2012 erscheinen. Hier die Tracklist:

01. Out of the Game
02. Jericho
03. Rashida
04. Barbara
05. Welcome to the Ball
06. Montauk
07. Bitter Tears
08. Respectable Dive
09. Perfect Man
10. Sometimes You Need”
11. Song of You”
12. Candlese“