Schrullig: Anni Rossi


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Als wir das erste Mal Anni Rossi begegneten, zertrĂĽmmerte sie gerade auf YouTube Radioheads „Creep“ ein wildes Mädchen mit rotbraunen Zöpfen, das in einer Art Kunstgalerie ihre Bratsche mal streichelte, mal auf sie einschlug.

„Ich bin eigentlich nicht exzentrisch“, behauptet Rossi, als wir sie das nächste Mal treffen. „Es ist die Bratsche, die mich auf der BĂĽhne durchdrehen lässt“, sagt sie, „im wirklichen Leben bin ich eher unauffällig.“

Nur bei Konzerten verwandelt sie sich in eine wunderbar schrullige Künstlerin, die die Lücke zwischen Joanna Newsom und Regina Spektor füllt und mit ihrer Bratsche von Ochsenfröschen auf Abwegen und Bienenzüchtern im Himalaja erzählt.

Rossi, die aus Minnesota kommt und heute in Chicago lebt, ist 23 und hat eine klassische Musikausbildung heil ĂĽberstanden. Nur dass die „Chicago Tribune“ gerade ĂĽber sie geschrieben hat, sie sei „an old fashioned kind of artist“, macht sie wĂĽtend: „Wenn ich meine Musik beschreiben mĂĽsste, wäre wahrscheinlich das Letzte. was ich sagen wĂĽrde, dass ich altmodisch bin.“
Nicht altmodisch, sondern roh, eindringlich und herrlich eigentĂĽmlich klingen nun auch Anni Rossis Songs auf „Rockwell“. Steve Albini (Pixies, Nirvana, Joanna Newsom) hat das Album an einem einzigen Tag aufgenommen. „Alle anderen Produzenten haben mich gezwungen, den Gesang und die Bratsche einzeln aufnehmen, um ein klareres Klangbild zu haben“, erzählt Rossi, „Steve war der erste, der mich einfach machen lieĂź.“

Radioheads „Creep“ hat sie bei der Tour, die sie demnächst nach Deutschland fĂĽhren soll, ĂĽbrigens nicht im Programm – sie hat den Song seit Ewigkeiten nicht gespielt. Stattdessen hat sie „Living In Danger“ von Ace Of Base im Repertoire.

„Ich finde sogar, dass der Song besser ist als ‚Creep'“, sagt sie. Naja, ein bisschen schrullig scheint Anni Rossi doch auch im wirklichen Leben zu sein.

Gunther Reinhardt


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