Schwester Ewa vor Gericht: Spiel Mir das Lied vom Bahnhofsviertel

Seit dem letzten Donnerstag läuft er nun, der Prozess vor dem Frankfurter Landgericht wegen Körperverletzung, Menschenhandel, Zuhälterei und Steuerhinterziehung. Die Angeklagte heißt Ewa Malanda, in Frankfurter HipHop-Kreisen besser bekannt als Schwesta Ewa. Eine Coverversion des Mittneunziger-Songs „Du liebst mich nicht“ von Schwester S. ist bis heute Schwester Ewas bekanntester Track. Bis dato galt sie als toughe Reimerin aus dem Labelumfeld des Köln-Bonner-Hartrappers Xatar. Nun sitzt sie seit dem 8. Juni auf der Anklagebank. Ganz real.

Beobachter des Prozesses sprechen gegenüber ROLLING STONE von einer „beklommenen, irgendwie absurden Atmosphäre. Da trifft formale Amtssprache auf desorintierte Teenager.“ Vorerst letzter Stand der laufenden Verhandlungen: „Ich habe freiwillig Sex gemacht“, sagte eine 18jährige mit bayrischem Akzent an diesem Montag.

„Überraschende Wende“ meldeten daraufhin die Agenturen. Die junge Frau gab an, dass die Beziehung zu Rapperin Ewa via Facebook entstanden sei. Dabei habe sie die Angeklagte später gebeten, sie ins Rotlicht-Gewerbe einzuführen. Zum Hintergrund: Die hessische Staatsanwaltschaft wirft Schwester Ewa vor, zwischen November 2015 und September 2016 diverse Teenie-Fans, zwischen 17 bis 19 Jahren, ins Millieu eingeschleust und schließlich zur Prostitution gezwungen zu haben. „Mit Zuhälterei mehr verdient als mit Rap“ titelte die FAZ.

Sie kennt das echte, hundsgemeine Leben

Die 32-jährige Musikerin wiederum hatte ihrerseits vor ihrer Rap-Laufbahn im Bahnhofsviertel als Prostituierte gearbeitet. Im Gegensatz zu vielen ihrer Poser-Kollegen kennt Ewa also das echte, harte, hundsgemeine Leben. Das Interesse an ihr als Künstlerin, so diagnostizierte sie messerscharf, gelte eh nur ihrem Vorleben. Ihre Debütplatte heißt  „Kurwa“, auf Polnisch heißt das schlicht: „Nutte“.

Dennis Sand, „Welt“-Redakteur  und langjähriger Deutschrap-Experte, sagte uns: „Schwesta Ewa hat ihre Kunst aus dem Leben geschöpft, damit sie ihr Leben aus der Kunst schöpfen kann. Die Hoffnung durch Rap von der Straße zu kommen ist nicht bloß ein beliebter Topos im Gangsta-Rap. Bei Schwesta Ewa war das Realität. Sie war tatsächlich auf dem besten Wege sich über ihre Musik zu finanzieren.“ Und weiter:

„Auch darum war in der Rapszene die Verwunderung über die schwerwiegenden Vorwürfe besonders groß. Du kannst den Jungen aus dem Ghetto holen, aber das Ghetto nicht aus dem Jungen, heißt eine Standardsatz. Dass das auch für Prostituierte gilt, hat Ewa in Interviews selber immer wieder gesagt. Man kommt nie so ganz weg aus den Kreisen, in denen man aufgewachsen ist. Schwesta Ewa ist auf einem Label gesignt, dass in der deutschen Rapszene ohne Frage eine Sonderrolle einnimmt. Drei der fünf Mitglieder von „Alles Oder Nix“ saßen in den letzten Jahren fünf wegen Kapitalverbrechen im Gefängnis – oder müssen sich deswegen vor Gericht verantworten. Labelboss Xatar wurde zu acht Jahren Haft wegen einem Goldraub verurteilt.“

Wenn aus dem Spiel Ernst wird, kann es sein, dass Hörer sich abwenden

Sands Fazit: „Das Absurde ist: Besonders im deutschen Gangstarap gilt „Straßencred“ und Authentizität als größtmöglichster Wert. Wenn dann aber tatsächlich einmal das passiert, worüber gerappt wird, ist die Empörung groß. Deutschland hört sich gerne Gangstergeschichten von Menschen an, denen man abkauft, dass sie Gangster seien könnten. Es ist ein Spiel mit dem Reiz des Verbotenen. Wenn aus dem Spiel aber Ernst wird und Gangstergeschichten zu Haftstrafen führen, kann es passieren, dass sich ein Großteil der Hörerschaft wieder abwendet!“

Arne Dedert picture alliance / Arne Dedert/dpa
Arne Dedert picture alliance / Arne Dedert/dpa


Feine Sahne Fischfilet in Zitadelle Spandau in Berlin: Unterlassungserklärung für CDU

Nach dem Vorwurf Feine Sahne Fischfilet hätten während eines Konzertes in der Spandauer Zitadelle gegen die Auflagen des Bezirksamts Berlin Spandau verstoßen, hat die Band eine Unterlassungserklärung der Berliner CDU und dem Bezirksamt Spandau erwirkt. Ausgangslage war ein Streit mit den Behörden, die beim Auftritt von Monchi und Kollegen Ende August angeblich mehrere Verstöße feststellten. Die Band soll unter anderem Bier in Glasflaschen verteilt haben. Allerdings stellte sich diese Meldung als falsch und irreführend heraus: Die lokale CDU und das Bezirksamt Spandau hätten die reibungslose Konzertveranstaltung in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen und bewusst Falschmeldungen gestreut. Feine Sahne Fischfilet erwirkten nun…
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