Ist Sienna Rose KI? Alle Anzeichen deuten auf „Ja“ hin
Ist Sienna Rose eine KI-Künstlerin? Deezer markiert ihre Songs als AI. Der Fall entfacht die Debatte um künstliche Musik neu.
In diesen Tagen müssen Künstler nicht einmal real sein, um zur Sensation zu werden. Zumindest scheint das auf die Neo-Soul-„Musikerin“ Sienna Rose zuzutreffen. In dieser Woche wurde die „Sängerin“ intensiv diskutiert, nachdem Hörer und Beobachter im Netz darüber debattierten, ob Rose tatsächlich eine von künstlicher Intelligenz erschaffene Künstlerin ist.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist genau das der Fall.
In einer Stellungnahme gegenüber ROLLING STONE bestätigte der Streamingdienst Deezer, „dass viele der Alben und Songs von Sienna Rose auf Deezer als KI erkannt und entsprechend gekennzeichnet wurden“.
Debatte neu entfacht nach den Golden Globes
Sienna Rose ist bereits seit etwa einem Jahr Gegenstand dieser Diskussion. Neue Dynamik erhielt sie jedoch nach der Verleihung der Golden Globe Awards, als Selena Gomez ein Instagram-Karussell von der Veranstaltung postete und dabei Roses Song „Where Your Warmth Begins“ verwendete. Der Song wurde inzwischen aus Gomez’ Beitrag entfernt. Seitdem richtet sich der kritische Blick der Internetöffentlichkeit erneut auf die Musikerin.
Ein zentraler Punkt der Spekulation war das Spotify-Profil von Sienna Rose. In ihrer Biografie wird sie als „anonyme Neo-Soul-Sängerin beschrieben, deren Musik die Eleganz klassischen Souls mit der Verletzlichkeit modernen R&B verbindet“. Das entscheidende Wort ist hier „anonym“. Eine ungewöhnliche Entscheidung für eine Künstlerin im 21. Jahrhundert, in dem Sichtbarkeit ein zentraler Faktor für Ruhm ist.
Millionenreichweite trotz Anonymität
Trotz dieser Anonymität verzeichnet Sienna Rose 2,6 Millionen monatliche Hörer auf Spotify. Zudem schafften es drei ihrer Songs – „Into the Blue“, „Safe With You“ und „Where Your Warmth Begins“ – in die Spotify-Playlist Viral 50 – USA.
Hinzu kommt die Musik selbst. Die offenbar KI-generierten Stücke von Sienna Rose erinnern stilistisch an reale Künstlerinnen wie Olivia Dean oder Alicia Keys. Mit üppigem Gesang und sanften Klavierarrangements.
Gleichzeitig bemängeln einige Hörer einen „generischen“ Klang. Ein Nutzer auf X schilderte seine Hörerfahrung. „Ich habe angefangen, Olivia Dean zu hören (fantastisch). Innerhalb von zwei Tagen empfahl mir Spotify Sienna Rose, die ähnlich, aber generischer klingt. Nach ein paar Songs wurde mir klar, dass sie KI ist. Ist das Spotifys Plan, um Macht über Künstler zu behalten? Klang klonen und Hörer stehlen?“
Algorithmus statt Entdeckung
Auch auf Threads äußerte sich ein Nutzer kritisch. „Sienna Rose ist der ultimative Beweis dafür, dass KI-Musik inzwischen gut genug ist. Es geht nicht mehr nur um die Technik, sondern darum, dass sie den Test für durchschnittliche Hörer und den Spotify-Algorithmus besteht.“ Weiter schrieb er: „Wenn ein Track so poliert ist, dass er sogar Selena Gomez und Millionen täglicher Hörer täuscht, ist der Algorithmus kein Entdeckungswerkzeug mehr. Er wird zum Liefermechanismus für statistisch perfekten Sound.“
Andere Stimmen fielen positiver aus. Ein X-Nutzer schrieb begeistert: „Ich habe gerade Sienna Rose entdeckt?! 10/10, gnädige Frau, holen Sie sich Ihre Blumen! Wunderschöne Musik.“ Gleichzeitig äußerten sich Skeptiker, die davor warnten, Lob von verifizierten Accounts ernst zu nehmen: „Fallt nicht auf diese blauen Häkchen herein, die versuchen, Sienna Rose zu legitimieren.“
Keine sozialen Spuren
Auffällig ist zudem, dass Sienna Rose keinerlei Social-Media-Präsenz hat – sie ist schließlich anonym. Auf Reddit empfanden viele Nutzer genau das als verdächtig. „Ich konnte sie auf keinem sozialen Netzwerk finden – nicht einmal allgemeine Infos bei Google“, schrieb ein User. Ein anderer ergänzte: „Ich dachte noch, wie beruhigend das klingt, fand es dann aber seltsam, dass ich diese ‚Künstlerin‘ nirgendwo finde … ich bin erledigt, LOL.“
Sienna Rose ist der jüngste Fall, der eine breite Diskussion über KI-generierte Musik und Künstler ausgelöst hat. Bereits im vergangenen Sommer sorgte die Band Velvet Sundown für Debatten, nachdem sie auf populären Spotify-Playlists auftauchte und zunächst behauptete, nicht KI-generiert zu sein. Später stellte ihre Spotify-Biografie klar, dass sie „mit Unterstützung künstlicher Intelligenz visualisiert“ wurde.
Plattformen öffnen sich für KI-Künstler
Im vergangenen Jahr erklärte Glenn McDonald, ehemaliger „Data Alchemist“ bei Spotify, gegenüber Rolling Stone, die zunehmende Sichtbarkeit von KI-Künstlern stehe sinnbildlich für eine Abkehr von „verständlichen Algorithmen mit starker Verankerung im realen menschlichen Hörverhalten“ hin zu KI-gesteuerten Systemen, die Songs allein anhand akustischer Eigenschaften empfehlen.
Im September kündigte Spotify an, dass KI-generierte „Bands“ und „Künstler“ auf der Plattform erlaubt seien, jedoch korrekt gekennzeichnet werden sollten. „Wir sind nicht hier, um Künstler zu bestrafen, die KI authentisch und verantwortungsvoll nutzen“, sagte Charlie Hellman, VP Global Head of Music Product bei Spotify.
„Wir hoffen, dass der Einsatz von KI-Produktionswerkzeugen Künstler kreativer macht als je zuvor.“ Trotz dieser Richtlinien zeigen Fälle wie Sienna Rose oder Velvet Sundown, wie stark KI-Musiker inzwischen auf der Plattform vertreten sind.