Simon Joyner: Ein Lob der Rastlosigkeit


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In einem seiner früheren Leben war Simon Joyner Labelboss. Auf Sing Eunuchs! veröffentlichte er Mitte der 90er Jahre auch zwei der ersten Tapes eines Teenagers namens Conor Oberst, dem er auch anderweitig noch unter die Arme griff: „Damals war Conor noch so jung, und ich habe mich wie sein großer Bruder gefühlt, der aufpassen musste, dass es nicht zu erwachsen zuging, wenn er sich mit uns in irgendwelchen Rockschuppen herumtrieb.“

Das Herumtreiben ist inzwischen Simon Joyners Sache nicht mehr. Er hat es sich mit seiner Familie in der Beschaulichkeit von Omaha/Nebraska gemütlich gemacht, tourt nur noch in Ausnahmefällen. Lieber gibt er daheim in einem Kunstzentrum vor 70 Leuten bei Kerzenschein eines seiner raren Konzerte. „Es ist zwar auch aufregend, woanders zu sein, aber das Schöne an einem Zuhause ist, dass es eine nach außen gekehrte Spiegelung von uns selbst darstellt“, sagt der 38-Jährige.

Dass dieser tiefsinnige Songwriter jetzt, auf „Out Into The Snow“, nicht etwa von Beschaulichkeit, sondern von Rastlosigkeit, von unsteten, den Halt verlierenden Menschen erzählt, ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch: „Restlessness is a permanent condition“, sagt er. Ruhelosigkeit sei ein Daseinsprinzip, das man definitiv nicht mit dem Leben des Rockmusikers gleichsetzen dürfe: „Manche Musiker verschwinden im Bandbus, wenn sie 19 sind, und kommen nicht wieder heraus, bevor sie 40 sind.“