Sounds: Fatima al-Qadiri, Efdemin, Tobias. und Bolder

Diesmal vorgestellt:

Fatima al-Qadiri – Asiatisch ***1/2

Efdemin – Decay ****

Tobias. – A Series Of Shocks ****1/2

Bolder – Hostile Environment ****1/2

Das Rennen ist gelaufen: Der Preis für den besten Albumtitel des Jahres 2014 geht zweifelsohne schon jetzt an Fatima al-Qadiri! Das Langspieldebüt der bislang mit einer Art verlangsamtem und verhalltem Muezzin-Techno bekannt gewordenen kuwaitisch-amerikanischen Produzentin befasst sich mit  westlichen Stereotypen von typisch asiatischer Musik und trägt dementsprechend den schönen deutschen Titel „Asiatisch“ (Hyperdub/Cargo). Über murrend-magnetischen Bässen und einem aufs Klickedi-klicker-Skelett abgestrippten Post-Dubstep-Beat hört man Sounds, die rückwärtslaufende und sonisch verknubbelte Fragmente aus einem Peking-Opern-Gesang sein könnten, ein Gong macht „gong“, gelegentlich wird aber auch wie in einem alten Gangsta-Rap-Stück klack-hallend ein Trigger entsichert. Auf sonderbare Weise hallen auf „Asiatisch“ zudem Echos von al-Qadiris erster, von pseudoarabischen Klangbildern bewegter EP, „Desert Strike“, nach. Kunstvoll konstruiert sie eine den halben Globus umspannende Schimäre von typisch „orientalischem“ Sound; der Bogen, den sie dabei schlägt, reicht von der arabischen Halbinsel bis nach Beijing.

Ebenfalls von fernöstlicher Musik inspiriert ist das neue Album des Berliner Technoproduzenten und Klangkünstlers Philipp Sollmann alias Efdemin. „Decay“ (Dial Records/Rough Trade) ist während eines dreimonatigen Japan-Aufenthalts entstanden. In Kyoto hat Sollmann an Tee-, Tempel- und sonstigen Zeremonien teilgenommen und sich mit örtlichen Flötenschnitzern und Glockengießern getroffen. Entsprechend spirituell und entspannt sind die zehn Deep-Techno-Stücke, die wir hier zu hören bekommen. Unter den geraden Beats schwingen schön zerfitzelte Klingelgeräusche und manchmal auch meditative Drones; überaus fein tariert ist das Verhältnis von treibender Rhythmik und retardierenden Sounds.

Ähnlich reduziert, aber weit weniger metaphysisch beleuchtet sind die zehn neuen Tracks, die der Berliner DJ und Produzent Tobias Freund alias Tobias. auf seinem neuen Album „A Series Of Shocks“ (Ostgut Ton) bietet. Hier regiert vielmehr die reine Körperlichkeit, der Materialismus von Organfunktionen und motorischem Drang; nicht umsonst heißt das zweite und tollste Stück auf der Platte „Heartbeat“. Den Herzschlag der Musik stiften hier kalt und zugleich weich schnaufende Rhythmusmaschinen, drumherum glimmen Aureolen aus sehnendem Geächz. Leicht verhumpelt hinken Hi-Hats hinterdrein wie ein müder Tänzer, der gerade nicht mehr mitkommt. Faszinierend ist, wie kissenweich fluffig Tobias. mit seinen aufs Kärgste heruntergestrippten Geräuschen gleichwohl den Klangraum auszufüllen versteht: eine trotz aller Lichtlosigkeit doch sehr hörerfreundliche Musik.

Was man, wie schon der Titel andeutet, von dem Debüt des Berliner Duos Bolder nicht wirklich behaupten kann: „Hostile Environment“ (Editions Mego) schichtet schieferschwarz knirschende Klangflöze aufeinander und lässt darüber widrige Eiswinde wehen. Manchmal drücken auch pulsierende Feedbacks den Rest der Musik tief in den Boden. Martin Maischein und Peter Votava haben unter den unterschiedlichsten Pseudonymen seit den 90er-Jahren die hiesige Bassmusik von Drum’n’Bass über Industrial bis zu Techno bereichert. Gemeinsam liefern sie ihr bisheriges Meisterwerk ab: Musik, die unablässig zwischen maschineller Kälte und subjektivierendem Trauma changiert, voller fieser Geräusche und dann doch wieder beglückender sphärischer Melodien. Ein unmittelbar ergreifender Unbehaglichkeits-Sound, der dem Hörer keine andere Wahl lässt, als sich erregt und bebend darin zu verlieren.


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