Sounds: The Body x The Haxan Cloak, Evian Christ und Bok Bok


von

Diesmal vorgestellt:

The Body x The Haxan Cloak – I Shall Die Here ****

Evian Christ – Waterfall ***1/2

Bok Bok – Your Charizmatic Self ****

Einsamkeit, Weltflucht, Weltekel, Schmerz: Das sind seit je die leitenden Themen von The Body; seit anderthalb Jahrzehnten musiziert das Duo aus Providence in gleichbleibend menschenfeindlicher Weise. Während Lee Buford scheppernd-verschleppte Rhythmen in sein Schlagzeug drischt, spielt Chip King dazu seine Gitarre mit schlackernden Saiten wie einen Bass. Ergänzend gibt es brüllend brustkorbbedrängende Brummtöne zu hören, aber auch hirnsägende Sirenengeräusche – und den Gesang von King, den man sich wie eine Mischung aus aggressivem Winseln und beleidigtem Meckern vorstellen muss. Die EP „I Shall Die Here“ haben The Body mit dem in dieserKolumne schon ausgiebig gelobten Londoner Goth- und Industrial-Elektronik-Produzenten Bobby Krlic alias The Haxan Cloak aufgenommen. Das doom- haft zähe Geräuschgerumpel der Band zerdellt er mit schleifend-kreischenden Digital-Beats; von sagenhafter Unbehaglichkeit sind die kalten Räume, die The Body und The Haxan Cloak miteinander erschließen. (RVNG Intl.)

Ebenfalls aus London kommt der 24-jährige Produzent Joshua Leary, der seit 2011 unter dem Namen Evian Christ wirkt. Auf seinen ersten Tracks bot er noch einen schwer verlangsamten und verhallten Goth-Step über weit ausgeschwungenen, gelegentlich nur fahl glimmenden Flächen aus Drones; nicht zufällig nahm ihn das Witch-House- und Dunkeltut-Label Tri Angle unter Vertrag. Schon auf der ersten dort erschienenen EP, „Kings And Them“ (2012), begann Leary die kargen Geräusche indes mit mächtigen Beats zu bedecken. Einem breiteren Publikum wurde er 2013 bekannt, als Kanye West ihn zur Mitarbeit am „Yeezus“-Album einlud. Auf der neuen Solo-EP, „Waterfall“, hat Leary seinen besonderen Industrial-HipHop-Sound noch perfektioniert. Wuchtige Schläge werden von sirrenden Störgeräuschen umwimmelt; klitzeklein zerhäckselte Stimmen und Chöre scheinen sich um melodischen Ausdruck zu bemühen. Doch müssen sie sich immer wieder der alles zerstörenden Kraft der Beats unterwerfen – wenn man will, kann man auch Dekonstruktions-Dunkel-Hop dazu sagen. (Tri Angle)

Ähnlich dekonstruktiv, doch weitaus bunter beleuchtet sind die Arbeiten des dritten Londoner Produzenten in unserem Bunde. Alex Sushon alias Bok Bok findet seine Inspirationen einerseits im elegant-klinischen R&B der 90er-Jahre, andererseits im schmutzigen Gestolper des neueren Grime. Den Spaß an der rhythmischen Unregelmäßigkeit, den beide Gattungen pflegen, übertreibt er regelmäßig bis ins Stocken und in den Stillstand, so auch in den Produktionen, die er im letzten Herbst zu dem fabelhaften Mixtape „Cut 4 Me“ der kalifornischen Sängerin Kelela beisteuerte. Selbige ist nun auch auf dem ersten Track seiner neuen EP, „Your Charizmatic Self“, zu hören: In „Melba’s Call“ beschenkt Kelela die sonderbar löchrige Schönheit von Bok Bok mit Wärme und Melodien. (Night Slugs)


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