„Staying Alive“: Legenden für neue Folgen

Mit „Staying Alive“ gelang ProSieben eine überrasche wie kontroverse neue Musikshow. Wer könnten die nächsten Legenden sein, die als KI-Avatare auf der Bühne stehen?

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Der Überraschungseffekt für „Staying Alive – Stars singen mit Legenden“ war groß. Viele fragten sich, wie soll das gehen, dass Elvis Presley, Whitney Houston, Freddie Mercury und Amy Winehouse mit deutschen Promi-Musikern Duette singen? Es klappte – auch wenn es durchaus unheimlich anmutete und wohl auch nicht ganz perfekt umgesetzt werden konnte.

Zunächst einmal gab es nur zwei Folgen der Show, die weltweit erstmalig in Deutschland zu sehen war und durchaus auch in anderen Ländern erfolgreich sein könnte. Die Einschaltquoten hierzulande deuten allerdings erst einmal auf einen Flop hin. Die zweite Sendung am 02. Mai verfolgten gerade einmal 0,51 Millionen Menschen. In der anvisierten Zielgruppe sah es noch mickriger aus. Womöglich zielt das Format aber vor allem auf kurze Streaming-Clips bei Joyn und in den Sozialen Medien ab.

Wird bei ProSieben jetzt noch einmal am Konzept gearbeitet, um „Staying Alive“ in eine neue Runde zu schicken? (Wir hätten da ein paar Ideen.) In der Zwischenzeit ist es eine Überlegung wert, wer denn für weitere Shows in Frage kommen könnte. Durch den Titel ist ja bereits festgelegt, dass es sich um bereits verstorbene Legenden handeln muss.

Neue Sänger:innen für „Staying Alive“

Zu wünschen wäre vielleicht ein Duo. Allerdings gibt es nur sehr wenige, wo beide bereits gestorben sind. Interessant wäre eine Neubelebung von Jane Birkin & Serge Gainsbourgs Stöhn-Hit „Je t’aime… moi non plus“. So bräuchte es gar keinen Promi aus der Gegenwart. Auch Traum-Paarungen wie etwa Michael Jackson gemeinsam mit David Bowie oder Prince könnten für Furore sorgen.

Etwas mehr Hardrock würde „Staying Alive“ auch vertragen. Da liegt doch auf der Hand, dass Ozzy Osbourne in einer neuen Folge eine gute Rolle spielen könnte. Wenn es nicht anders geht, soll er eben „Dreamer“ mit Rea Garvey schmettern. Zeit für einen Fledermausbiss wäre sicher auch.

Für viel Aufmerksamkeit könnte allerdings ein KI-Avatar von Kurt Cobain sorgen. „Come As You Are“, etwas MTV-Unplugged-Feeling, dazu ein paar Geschichten von Stars, die noch beim letzten Konzert von Nirvana in München waren. Lustig wäre, wenn sich „Cobain“ mit einem „Corporate TV Shows Still Suck“-Shirt blicken lassen würde!

Udo Jürgens oder Rio Reiser?

Noch steht aus, eine deutschsprachige Legende wieder auf die Bühne zu holen. Da gäbe es eine hervorragende Auswahl, auch für Duette. Wie wäre es mit Falco und „Rock Me Amadeus“? Für die ältere Generation dürfte ein Wiedersehen mit Udo Jürgens für Champagner-Stimmung sorgen. Getoppt würde all das aber womöglich durch einen KI-Auftritt von Rio Reiser.

Fehlt natürlich noch eine große Sängerin oder vielleicht Grande Dame, die es mit Whitney Houston und Amy Winehouse aufnehmen kann. Tina Turner und Donna Summer könnten das Studio zum Kochen bringen. Aretha Franklin oder Etta James wären vielleicht eine Überraschung. Aber gewiss ließe ProSieben gerne für Hildegard Knef rote Rosen regnen.

All das ist erst einmal Zukunftsmusik. Bisher hat der Sender keine Fortsetzung von „Staying Alive“ angekündigt. Ob man sich bewusst war, dass einige Zuschauer die Sendung als „zynischen Moralspagat“ oder „Leichenschändung“ bewerten würden, bleibt unklar. Doch bei Samstagabend-Shows braucht es manchmal auch seine Zeit, bis sie den richtigen Weg einschlagen. Als „Masked Singer“ startete, war das Lachen auch erst groß und die Zuschauer schalteten lieber erst einmal weg.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.