Gerichtsstreit: Stings „historische Unterbezahlung“ an Police-Kollegen

Sting zahlt 800.000 Dollar an Copeland und Summers. Der Rechtsstreit um Police-Tantiemen und Streaming-Erlöse geht weiter.

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Sting hat seinen früheren Bandkollegen bei The Police, Stewart Copeland und Andy Summers, seit Herbst 2025 mehr als 800.000 US-Dollar (rund 595.000 Pfund) an Nachzahlungen überwiesen. Das berichten britische Medien unter Berufung auf Gerichtsunterlagen. Die Zahlung erfolgte im Zuge einer laufenden Klage, mit der Copeland und Summers deutlich höhere ausstehende Tantiemen einfordern.

Die Anwälte des Schlagzeugers und des Gitarristen sprechen von einer „historischen Unterbezahlung“. Nach ihrer Darstellung schulde Sting seinen ehemaligen Mitstreitern insgesamt zwischen zwei und knapp elf Millionen Dollar an nicht ausgezahlten Einnahmen aus dem Police-Katalog.

Die bereits geleistete Summe stelle lediglich einen Bruchteil dessen dar, was nach Auffassung der Kläger tatsächlich zustehe.

Streit um Streaming und Downloads

Bei einer Anhörung vor dem High Court in London argumentierte das Anwaltsteam von Copeland und Summers, dass frühere Verträge aus den Jahren 1997 und 2016 neu ausgelegt werden müssten. Insbesondere gehe es darum, ob Erlöse aus Downloads und Streamingdiensten als vergütungspflichtige Einnahmen zu werten seien. Nach Ansicht der Kläger sei die digitale Nutzung des Police-Repertoires bei Vertragsabschluss nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Zudem betonten die Anwälte, dass die bisherige Nachzahlung keine Zinsen enthalte und sich die Gesamtsumme der Forderungen im weiteren Verlauf des Verfahrens sogar noch erhöhen könne. Keines der Bandmitglieder war persönlich bei der Anhörung anwesend.

Stings Gegenargumente vor Gericht

Die Rechtsvertreter von Sting widersprachen dieser Darstellung entschieden. Streaming-Einnahmen seien nicht mit einem Verkauf gleichzusetzen, sondern fielen unter den Begriff der öffentlichen Wiedergabe. Aus diesem Grund bestehe kein Anspruch auf zusätzliche Tantiemen. Außerdem verweise der Vertrag von 2016 ausdrücklich nur auf Vergütungen aus der Herstellung von Tonträgern, nicht aus digitalen Abrufen.

Aus Sicht von Stings Anwälten handelt es sich bei der Klage um einen unzulässigen Versuch, bestehende Vereinbarungen im Nachhinein umzudeuten. Nach ihrer Lesart habe Sting seine ehemaligen Bandkollegen im Laufe der Jahre sogar überbezahlt, sofern man die ursprünglichen Vertragsbedingungen korrekt anwende.

Ein Konflikt mit langer Vorgeschichte

Der aktuelle Rechtsstreit reicht bis in die Gründungszeit von The Police im Jahr 1977 zurück. Damals hatte Sting zugesagt, Copeland und Summers an bestimmten Tantiemen seiner Songs zu beteiligen. Diese Regelung wurde 1981 formalisiert und 1997 erneut angepasst, nachdem die beiden Musiker geltend gemacht hatten, über einen langen Zeitraum zu wenig Geld erhalten zu haben.

Zwar erhielten Copeland und Summers keine offiziellen Autoren-Credits für die größten Police-Hits, sie machen jedoch sogenannte Arrangeur-Honorare geltend. Diese seien ihnen insbesondere aus der digitalen Verwertung des umfangreichen Backkatalogs der Band geschuldet.

Hohe Summen stehen auf dem Spiel

Wie lukrativ der Police-Katalog bis heute ist, zeigt ein einzelnes Beispiel: Der Song „Every Breath You Take“ bringt Sting Berichten zufolge jährlich rund 550.000 Pfund an Einnahmen ein, umgerechnet etwa 740.000 US-Dollar. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum der Streit um Streaming- und Download-Erlöse eine solche finanzielle Brisanz besitzt.

Die Anhörung soll Mitte Januar abgeschlossen werden, ein umfassender Prozess ist bereits angekündigt. Das Verfahren könnte richtungsweisend dafür werden, wie ältere Bandverträge im digitalen Zeitalter ausgelegt werden.