Buyer’s Guide: Sting und The Police – die besten Alben

Essenziell

The Police: Ghost In The -Machine (1981)

Sting bestand auf Bläsern und Keyboards, und die spielte er auch noch selbst. Gitarrist Andy Summers und Drummer Stewart Copeland fühlten sich degradiert. Und doch sprinteten sie gemeinsam durch dieses Meisterwerk: „Too Much Information“ machte aus Sting den „Tcha!“-Sänger, wie wir ihn heute kennen, sobald ihn Geschwindigkeit berauscht. „Omegaman“ huldigte dem Muskulösen und Richard Mathesons Roman „Ich bin Legende“.

Die Band dachte auch in grö-ßeren politischen Maßstäben. In „One World (Not Three)“ schematisch („The Third World breathes our air tomorrow“). Punktgenau in „Rehumanize Yourself“: Fabrik-Arbeit, gewalttätige Polizisten, britische Neonazis („Billy’s joined the National Front /He always was a little runt“) – die Selbstermächtigung des Punk steckte schon im Titel. 1981 neben „Ghost Town“ von den Specials ein Kommentar zu Verrohung auf der Insel.

The Police: Synchronicity (1983)

„All die Bastarde schrieben uns ab“, sagte Sting. „Aber ich hatte diesen Song. Und ich wusste, er wird eine Nummer 1.“ „Every Breath You Take“ wurde, unabhängig davon, wie schwach dieses Musikjahr war, der größte Song seiner Karriere. Auf der Bühne kleidete er sich wie ein Rebell aus dem Scifi-Film „Dune“, von dessen Dreharbeiten er gerade zurückgekehrt war. Der Kopf war also schon woanders. Verhinderte Sting sonst meist Beiträge von Copeland und Summers, ließ er deren schwache Kompositionen „Miss Gradenko“ und „Mother“ zu. Er spürte das Ende der Band nahen. Es war sein Abschiedsgeschenk.

Sting: The Dream Of The Blue Turtles (1985)

Unter dem Eindruck seiner Stalking-Fantasie „Every Breath You Take“ entstand die Freiheits-Hymne „If You Love Somebody Set Them Free“. Allerdings zitierte Sting darin (und in „Love Is The Seventh Wave“) Zeilen aus seinem Police-Hit – er haderte also mit dem Ruhm, war jedoch auf seine mit 34 Jahren schon eingeleitete Historisierung stolz. Für sein Solodebüt schrieb er Popsongs, stellte dafür aber eine Jazz-Mannschaft aus Veteranen (Kenny Kirkland, Branford Marsalis) und Newcomern (Omar Karim, Darryl Jones) zusammen, die bis zum Ende des Jahrzehnts Maßstäbe setzte.

Sting: … Nothing Like The Sun (1987)

Mehr Sting-Jazz als Weltmusik, unterstützt von Clapton, Manu Katché, Annie Lennox und Mark Knopfler. Er singt Brecht/Eisler und präsentiert dekadent eine Doppel-LP mit lediglich zwölf Songs. „Fragile“ entstand in Nicaragua, Sting betrauert den Tod eines amerikanischen Hilfsarbeiters. „They Dance Alone“ widmet sich den Witwen derjenigen, die vom Pinochet-Regime in Chile ermordet wurden. Wer Hendrix covert, sollte sich nicht zu sehr auf die Gitarre versteifen: Zusammen mit Gil Evans balanciert „Little Wing“ großartig zwischen Big Band und Fusion. „Englishman In New York“ enthält einen HipHop-affinen Rhythmus, 1987 recht früh für jemanden wie Sting.

Lohnend

The Police: Zenyatta Mondatta (1980)

Die Band war derart unzufrieden mit diesem innerhalb von vier Wochen eingespielten Werk, dass sie ausgerechnet ihre zwei Nummer-1-Singles („Don’t Stand So Close To Me“, „De Do Do Do, De Da Da Da“) sechs Jahre später, als letzte Police-Einspielungen vor der Trennung, noch mal aufnahm. Auf LP-Seite 2 ging ihnen tatsächlich die Puste aus, aber die erste Seite ist Weltklasse: „Driven To Tears“ und „When The World is Running Down …“ – Ersteres Anklage, Letzteres ein Überlebensratgeber – zeigen das Trio in ihrem fokussiertesten Zusammenspiel. Sting blickte auf das Weltgeschehen; Politisierung sollte seine Arbeiten fortan bestimmen.

The Police: Outlandos D’Amour (1978)

Punk mit Reggae? Eine überzeugende Paarung, aber es waren doch eher Pop-Harmo-nien, die aus „Roxanne“, „Can’t Stand Losing You“ und „So Lonely“ die vielleicht meistgewünschte Feten-Triade der vergangenen 41 Jahre machten. Diese Ohrwurm-Komponisten hätten nicht lange im Untergrund bleiben können. Selbst die Fehler waren traumwandlerisch: Das Lachen in „Roxanne“ entstand, weil Sting sich versehentlich auf ein Klavier setzte, die schiefen Zufallstöne aber wie für den Song geschaffen schienen. „Be My Girl – Sally“ dokumentiert eine seltene und gelungene Kooperation zweier Police-Komponisten: Ein Rock-Fragment von Sting wechselt sich ab mit einem Spoken-Word-Vortrag von Summers über eine aufblasbare Sexpuppe.

The Police: Reggatta De Blanc (1979)

Für das Titelstück erhielt die Band ihren ersten von zwei „Bester Instrumental-Rock“-Grammys. Wie das wohl bei Sting angekommen sein muss, der fast immer auch singen wollte? Die Hits sind natürlich „Walking On The Moon“ und „Message In A Bottle“, aber andere Lieder stärkten das Profil nicht weniger: „The Bed’s Too Big Without You“ behandelte den Suizid einer Exfreundin von Sting, kurz nachdem er sich von ihr getrennt hatte. „Bring On The Night“ ist eine Weiterentwicklung von „Carrion Prince (O Ye Of Little -Hope)“ von seiner ersten Band, Last Exit, auf deren exquisites Material er sich bei vielen Police-Songs stützte.

Ergänzend

Sting: Bring On The Night (1986)

Live-Album plus Doku, mit der Sting The Police überwand. Weniger bekannte Songs („Low Life“), Rares („Another Day“) und großartige Medleys („One World Not Three/Love Is The Seventh Wave“), gespielt von einer harmonischen Fusion–Band. Sting wechselte zur Gitarre, den Rest übernahmen Kirkland, Jones, Marsalis, Karim sowie die Background-Sängerinnen Janice Pendarvis und Dolette McDonald.

Sting: The Soul Cages (1991)

Wie das Musical „The Last Ship“ (2014) eine Erinnerung an die Kindheit als Sohn eines Milchmanns in der Hafenstadt Wallsend. In der Dunkelheit liegen riesige Schiffe an den Pieren. „The Soul Cages“ ist dem verstorbenen Vater gewidmet.

Schwach

Sting: Sacred Love (2003)

Vom Erfolg der orientalisch angehauchten Single „Desert Rose“ (vom Vorgängeralbum, „Brand New Day“) überrascht, warf Sting sich in Ethno-House, arbeitete mit Anoushka Shantar und Mary J. Blige zusammen. Es klingt so, als sänge er lediglich über den Arrangements anderer – ein unbefriedigender Zustand für einen Musiker, der die Welten vereinen will. Seine letztes Platte mit Originalkompositionen für die nächsten 13 Jahre.

Buch

Broken Music

Bescheidenheit ist von dem Arbeiterkind, das eine Laufbahn als Grundschullehrer begann, sich dann aber in Punk und Jazz verlor und spät, mit 28, zum Weltstar wurde, nicht zu erwarten. Die Memoiren machen Sting nicht sympathischer – aber sie wirken ehrlich. Am vergnüglichsten ist die Passage über seine Erfahrung mit der psychedelischen Kotzdroge Ayahuasca.

Preziosen

Coversongs & Rares

„Savage Beast“

Beispielhaft, wie Ideen über Jahre wachsen: Aus dem 1976er-Song seiner Band Last Exit wurde 1985 „We Work The Black Seam“.

„Don’t Give Up Your Daytime Job“

Heimlicher Last-Exit-Hit: Sting gab nichts auf Leute, die ihm abrieten, sich als Popstar zu versuchen. Vorlage von „Every Little Thing She Does It Magic“.

„Ghost In The Machine – Demos“

Auf YouTube: So klänge das Album, hätte Sting es solo auf Keyboard, Saxofon und Drumcomputer eingespielt.

„I Shall Be Released“

Verbindungen zwischen Dylan und Sting liegen nicht auf der Hand. Cover-Premiere 1981 beim Benefiz The Secret Policeman’s Other Ball.

„Brimstone & Treacle“

Schwer erhältlicher 1982er-Soundtrack. Enthält das brillante „I Burn For You“ sowie Stings Solodebüt, das Vivian-Ellis-Cover „Spread A Little Happiness“.

„Once Upon A Daydream“

Der Text der „Synchronicity II“-B-Seite war zu düster für das „Synchronicity“-Album: Vater tritt schwangere Tochter, sie verliert das Kind, Sting schießt Vater in den Kopf.

„Someone To Talk To“

Andy Summers’ larmoyanter Song über seine Scheidung wird fehlgedeutet als Vorwurf an Sting, weil der den Text nicht singen wollte.

„De Do Do Do, De Da Da Da (1986)“

Die letzte, unveröffentlichte Police-Einspielung. Weniger Punk, mehr Pop als das Original, so wie schon das Reissue von „Don’t Stand So Close To Me“.

„Up From The Skies“

Nach „Little Wing“ das zweite Hendrix-Cover, das Sting mit Gil Evans einspielte. B-Seite von „Englishman In New York“.

„Wrapped Around Your Finger“

Vom atemberaubenden „The Police Live“-Album: drei Musiker, die wie ein Quintett auftreten, Copeland spielt Drums und Percussion und Glockenspiel.


HERO: Die besten Sting-Songs aller Zeiten

Sting – Fields of Gold  https://www.youtube.com/watch?v=KLVq0IAzh1A Paul McCartney sagte einmal, dies sei einer der Songs, die er gerne geschrieben hätte. Man kann verstehen, warum. Die Melodie ist traumwandlerisch schön.  Sting – Desert Rose  https://www.youtube.com/watch?v=C3lWwBslWqg Stilistisch schwer fassbar und sinnlich sentimental trug Stings 2000er-Hit „Desert Rose“ maßgeblich zum Multi-Platin-Erfolg des Albums „Brand New Day“ bei. Gemeinsam mit Cheb Mami nahm Sting 1999 das Lied auf – und obwohl Mami auf arabisch improvisierte und Sting kein Wort verstand, sangen beide über das Gleiche: Romantische Liebe.  Sting – Englishman in New York  https://www.youtube.com/watch?v=d27gTrPPAyk „Be yourself, no matter what they say“: So simpel, so eindringlich und so charakterstark wie Brandford Marsalis legendäre Saxophon-Melodie spricht Sting über die anfänglichen Schwierigkeiten seines Freundes Quentin…
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