Stuckrad-Barre bricht Schweigen: Warum er Ulmen öffentlich kritisiert

Er hätte schweigen können – doch für Stuckrad-Barre wäre das Zustimmung gewesen. Jetzt spricht er über Ulmen, Collien Fernandes und Maßstäbe.

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Benjamin von Stuckrad-Barre begründet seine öffentliche Abgrenzung im Fall Ulmen mit einer klaren Haltung: Schweigen, so seine Überzeugung, hätte in dieser Situation wie Zustimmung gewirkt. In der „Zeit“ schildert er, warum er sich trotz langjähriger Freundschaft zu Christian Ulmen nicht zurückgehalten hat.

Auslöser der Kontroverse sind Vorwürfe von Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes. Sie beschuldigt ihn, in ihrem Namen gefälschte Profile erstellt, Männer kontaktiert und intime Inhalte verbreitet zu haben, die sie als Absenderin erscheinen ließen. Ulmen weist Teile der Anschuldigungen zurück und geht juristisch dagegen vor.

Stuckrad-Barre verknüpft seine Position mit dem Anspruch, den er auch literarisch formuliert hat. Sein Roman „Noch wach?“ kreist um Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen, die oft beschönigend als „Fehlverhalten“ etikettiert werden. Für ihn steht fest: Maßstäbe verlieren ihren Sinn, wenn sie nur selektiv angewendet werden.

Vor diesem Hintergrund spricht er auch über problematische Passagen im Werk von Udo Lindenberg. Einige frühe Texte lassen sich so lesen, als würden sie Grenzüberschreitungen gegenüber Minderjährigen verharmlosen. Lindenberg selbst hat diese Stücke seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt. Stuckrad-Barre ordnet sie als Randerscheinung in einem umfangreichen Gesamtwerk ein, verweist auf popkulturelle Zitattraditionen und den zeitgeschichtlichen Kontext, betont aber zugleich, dass dies die Inhalte nicht entschuldigt.

Die Verbindung zu Lindenberg ist auch persönlich: Beide sind seit Jahren befreundet, aktuell erscheint Stuckrad-Barres Buch „Udo Fröhliche“.