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„Süß singt der Engelschor“: Götz Alsmann über seine Leidenschaft für Weihnachtsschlager

Jeder kennt sie, die typischen bundesdeutschen Weihnachtslangspielplatten der Vergangenheit. Man betrat das Wohnzimmer, die Kerzen am Baum brannten, der Raum war erfüllt vom typischen Weihnachtsduft und Wunderkerzengeknatter, die Eltern standen erwartungsvoll und in Gönnerstimmung neben dem Christbaum, und vom Plattenspieler kam das alljährlich neu eingesetzte konfektionierte Festgeläut, dem sich nach etwa einer Minute ein von glockenreinen Knabenstimmen gesungenes Weihnachtslied anschloss.

Das Repertoire war vorgegeben: All die Lieder kamen zum Zuge, auf deren Interpretation man sich auch beim familiären Selbersingen einigen konnte. Bei der Gelegenheit stellte man immer wieder verblüfft fest, dass sämtliche Standardweihnachtslieder tatsächlich mehr als nur eine Strophe hatten. Fand sich auf so einem Album mal eine deutschsprachige Fassung von „Jingle Bells“ („Ringelding, ringelding, klingt’s im Winterwald“) oder gar „White Christmas“ („Süß singt der Engelschor“), galt das als fast schon frivoler Ausrutscher – schließlich waren das doch Ami-Nummern!

Weihnachtsschlager sind Ami-Sache

Genau. Denn sowohl das Verfassen als auch das Singen von Weihnachtsschlagern (eben nicht Weihnachtsliedern) war und ist seit Urzeiten eine amerikanische Spezialität, genauso wie das meisterliche Produzieren humorvoller Weihnachtsfilme. Beides konnte wohl nur einer Kultur entstammen, deren Auffassung vom Weihnachtsfest eher mit unserer Tradition der Silvesterparty vergleichbar ist.

Meine erste von mir selbst gekaufte Langspielplatte war ein solches amerikanisches Weihnachtsalbum. 1968, ich war elf Jahre alt, reichte ein mir von einem meiner Onkel beim jährlichen Familien- weihnachtsbankett zugesteckter 20-Mark-Schein zum Kauf eines Albums zum damals üblichen Einheitspreis von 19,80 DM.

Mir war von vornherein klar, dass es sich nur um eine Scheibe der Beach Boys handeln konnte, meiner damals unangefochtenen Lieblingsband. Die Kiste mit Beach-Boys-LPs im lokalen Radiogeschäft war rappelvoll. Es gab anscheinend unzählige Beach-Boys-LPs. Hunderte. Aus irgendeinem postweihnachtlichen Gefühlsimpuls heraus wählte ich das „Beach Boys’ Christmas Album“. Das Cover ließ keine Fragen offen, waren die fünf Strandbuben doch dabei zu sehen, wie sie den Weihnachtsbaum schmückten. Im vollen Bewusstsein, dass die Weihnachtszeit bald endgültig vorüber sein würde, gab ich meinen Zwanziger für dieses Saisonprodukt aus, radelte heim und legte die Scheibe umgehend auf.

Die erste Seite enthielt den typischen Beach-Boys-Sound, den ich so liebte. Da ich Quintaner mit Latein statt mit Englisch als erster Fremdsprache war (so was gab’s damals …), hatte ich keinen Schimmer vom in der Tat sehr weihnachtlich gestalteten Text-inhalt der flotten Beat-Nummern. Erst als ich das Album umdrehte, wurde mir klar, dass die brennende Aktualität des mir vorliegenden LP-Repertoires spätestens mit dem Dreikönigstag ein jähes Ende finden würde.



Studie: Musik hilft gegen Depressionen

Wir hatten ja immer schon geahnt, dass Musik glücklich(er) macht: Eine gemeinschaftliche Studie der Queen’s University, Belfast und des Northern Ireland Music Therapy Trust hat nachgewiesen, dass Musikhören auch Depressionen lindern kann. Mehr Selbstbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit In der Studie verglichen die Forscher zwei Gruppen aus Kindern und Jugendlichen, die an Depressionen litten. Eine Gruppe erhielt eine konventionelle therapeutische Behandlung, die andere zusätzlich Musiktherapie. Wie sich herausstellte, zeigte jene Gruppe, die auch musiktherapeutische Unterstützung erhielt, ein im Vergleich zur anderen Gruppe deutlich gesteigertes Selbstbewusstsein und spürbar weniger depressive Symptome; zudem verbesserten sich Kommunikationsfähigkeit und Interaktion. Musiktherapie als Behandlungsform benötigt mehr Aufmerksamkeit…
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