The Garden live in Berlin: Willkommen in der “Vada Vada Weirdo”-Welt

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The Garden live in Berlin: Willkommen in der “Vada Vada Weirdo”-Welt

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Seelenruhig lehnt sich das brünette Undercut-Mädchen über die Konzertbühne und wischt mit ihrem schwarzen Hoodie durch die kleine Pfütze Wasser, das sich Wyatt Shears zuvor über den Kopf geschüttet hat, zwischen den Kabeln herum. Mit beiden Händen umklammert das Fan-Girl den Pulli so fest, als wäre er ein mit heiligem Weihwasser getränkter Putzlappen; und schrubbt, bis die rotgoldenen Scheinwerfer nur noch feuchte Lichtstreifen auf dem schwarzen Bühnenboden bilden. Dann verschwindet sie im drängelnden Pogo ihrer Freunde, während The Garden aus dem Orange County gerade an anderer Stelle wie wild über die Bühne turnen.

IMG_0301Seit den letzten drei Berlin-Gigs der autistisch-schönen Zwillingsbrüder vor kleinem Publikum hat sich herumgesprochen, dass das Jazzpunk- Duo, das nur mit Bass, Schlagzeug und Synthie herumexperimentiert, live mit seiner energetisch weirden Bühnenperformance verlässlich auf der Überholspur spielt. Das Konzert im Berliner Club Musik & Frieden (ehemals Comet)
ist ausverkauft.

Unnahbar alienhaft und doch verschmitzt

“Take your sunglasses off and then put them back on again – I’ve created a force field and I hope no one breaks it – This is my life and this is how I chose to live it – Take control of your life, stand up straight and shake a hand” feuert Wyatt Shears im rasanten Sprechgesang durchs Mikro, tänzelt im schwarzen Ledertrench roboterhaft herum. Sein Bruder Fletcher springt immer wieder hinter dem Schlagzeug hervor, übt Handstand und stolpert schlacksig wie in Trance über die Bühne. Unnahbar alienhaft wirken die Zwei und gleichzeitig natürlich verschmitzt ziehen sie mit ihrer selbsternannten „Vada Vada“-Performance die Leute in ihren Bann. Die Clubatmosphäre erinnert zeitweise an eine wilde Partyszene in der Serie „Skins“.

Mädchen in der ersten Reihe knipsen Polaroid-Sofortbilder. Die eineiigen Brüder wirken topfit, obwohl im letzten Jahr fast ununterbrochen auf Ochsen-Welttournee durch die kleinen Clubs unterwegs – und nebenbei noch als Laufsteg-Models für
das Modelabel Saint Laurent Paris. Mit ihrem eigenwillig androgynen Grunge Look, befreit von Gendergrenzen stehen die Garden Twins für ein alternatives Stilvorbild jenseits des Photoshop-Chics. Gleichzeitig faszinierend bodenständige Typen, die ihr Equipment noch selbst aufbauen und am Ende des Abends mit geduldiger Miene den Foto- und Autogrammwünschen der hysterischen Indie-Groupiemädchen-Schlange stand halten.

Julia Harz
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