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The Pretenders: Chrissie Hynde


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Nach ihrer 2007er Tour mit den Pretenders schwor sich Frontfrau Chrissie Hynde, nicht eher wieder auf die Bühne zu gehen, bevor sie nicht neues Material geschrieben hatte. „Es war peinlich, dass ich so lange nichts veröffent­licht hatte“, sagt sie. Nachdem sie 35 Jahre lang vorwiegend in London gelebt hatte, wohnt sie nun wieder in der Stadt ihrer Kindheit: Akron, Ohio. Dort hat sie im letzten Jahr die Songs für „Break Up The Concrete“ geschrieben, das erste Pretenders-Album seit sechs Jahren, mit dem sie nun auch in Deutschland tourt.

Die erste Zeile des neuen Albums ist eine buddhistische Redensart: „Nam myoho renge kyo.“ Wo haben Sie die gelernt?

1971 bin ich mit einem Typen durch Kanada getrampt. Wir hielten uns für John und Yoko. Jemand gab uns den Tipp, in Toronto bei einer Frau namens Georgia Ambrose zu wohnen, die in ihrem Haus buddhistische Zeremonien abhielt. Wir riefen an, und sie fragte als erstes: „Welches Sternzeichen seid ihr?“ „Beide Jungfrau.“ Und sie sagte: „Dann kommt vorbei, ich kann gerade etwas Jungfrauen-Energie gebrauchen.“ Und als wir ankamen, wurde eben der erwähnte Satz gesungen. Er bedeutet, dass jeder Tropfen, der in die Ader fließt, auch zum Herzen zurückkommt.

Gleich mehrere neue Songs scheinen von Ihrem idealen Mann zu handeln…

Ich lebe allein, von meinem Hund mal abgesehen. Aber diese Songs sind von mehreren Männern inspiriert. Die Leute, zu denen es mich hinzieht, haben für Ruhm oder das Promi-Dasein nichts übrig. Sie sind die im Schatten. Deshalb lebe ich auch überwiegend außerhalb des Rampenlichts.

Die erste Strophe des Titelsongs handelt von einer Kindheit auf rot geziegelten Straßen. Autobiografisch?

In Akron sind alle Straßen aus roten Ziegeln. Wunderschön. Mir fiel diese Schönheit erst wieder auf, als ich zurückkam.

Das heißt, Sie haben jetzt eine Wohnung in Akron?

Ja. Da zahlt man nur 500 Dollar Miete, und es ist wirklich schön- wie das Hotel „Chateau Marmont“ in Los Angeles, als es noch eine Bruchbude war. Ich habe ein veganes Restaurant dort eröffnet, „VegiTerranean“. Das Essen ist köstlich. Die Speisekarte stammt allerdings nicht von mir- ich hätte mir kaum den „Pretenders Haute Dog“ ausgedacht.

Sie sind jetzt 57 Jahre alt. Feiern sie Ihre Geburtstage?

Ja. Von meiner Mutter bekam ich letztes Jahr einen leckeren veganen Kuchen. Und mein Vater verriet mir, dass meine ganzen alten Platten noch oben im Haus waren. Ich dachte, ich hätte sie verloren, aber dann stand da diese riesige Kiste: Tim Buckley, Stones, Beatles, Kinks, Buffalo Springfield… Wenn man die Sammlung durchsieht, findet man alles, was ich auf den ganzen Pretenders-Alben kopiert habe. Es war verdammt großartig, diese Platten mal wieder in die Hand zu nehmen.

Wie beurteilen Sie den gegenwärtigen Stand der Rockmusik?

Früher gab’s eine magische Verbindung zwischen dem Publikum und dem Künstler. Ich glaube, viele Bands machen heute einen Sport daraus: „Wir wollen die größte Band der Welt sein und in den größten Hallen spielen!“ Es ist alles ziemlich schal und dumm geworden.

Ich war dabei, als die Pretenders ein VH-1-Special aufzeichneten, und hörte Sie von den Kings Of Leon schwärmen.

Ich habe wirklich geschwärmt! Es ist peinlich, aber wahr. Und ich habe mich so gefreut, mal wieder von etwas begeistert zu sein. Das fällt mit zunehmendem Alter schwerer. Aber es gibt schon immer noch genug Künstler, die ich für ihre unverwechselbaren Ideen und Stimmen mag.

Mit welchen Bands gehen Sie am liebsten auf Tournee?

Im letzten Jahr waren wir mit den Almighty Senators unterwegs, einer tollen Band aus Baltimore. Und mit den Stray Cats und ZZ Top. Ich habe jeden Abend einen Joint geraucht und mir die Show vom Mischpult aus angesehen.

Wie machen Sie sich fürs Singen warm?

Wenn Sie die Wahrheit wissen wollen: Ich rauche. Bugler-Tabak. Eine Schande, wirklich. Aber es ist Rock’n’Roll- wenn du da Aufwärmübungen brauchst, dann helf dir Gott.


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