The XX


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Natürlich passt es The XX nicht, dass die englische Presse in ihrer Musik den „neuen Londoner Sound“ erkennt, sogar die Musik zum aktuellen Lebensgefühl der britischen Jugend. „Das ist ein bisschen unangenehm und eine ziemlich schwere Last“, sagt Bassist Oliver Sim, „wir fangen ja gerade erst an! Dieses urbane Ding hängen die Leute uns vor allem an, weil wir noch so jung sind. Mit der Musik hat das nicht sehr viel zu tun, eher mit Kids in Kapuzenpullis.“

Sim und Sängerin Romy Madley sind noch keine 20 Jahre alt, betreiben ihr mittlerweile zum Quartett erweitertes Duo aber schon seit knapp fünf Jahren. Ihre Flüstermusik ist gleichzeitig zart und dunkel, minimalistisch und manchmal fast apathisch. Velvet Underground ohne das Subversive, The Kills ohne den Dreck, so in etwa muss man sich das Debütalbum „The XX“ vorstellen. „Ich denke, die London-Blase mit den Moden und den immer neuen uniformierten Sounds ist geplatzt. Ich jedenfalls kann derzeit keinen Stil erkennen, der für die ganze Stadt spräche. Das ist gut, weil man endlich sein eigenes Ding machen kann.“

Ihr Album beschreiben Sim und Madley als „Nachtplatte“, jedenfalls machen die beiden Songwriter eine Bewegung ins Dunkle aus, ohne dass sie dafür eine Begründung fänden. Die beiden kennen sich schon aus der Grundschule, und das gemeinsame Singen sei am Anfang sehr peinlich gewesen. „Ist es noch immer!“, wirft Madley ein, „wir müssen uns beide sehr überwinden.“

Die Scham bestimmt den krea­tiven Prozess. Lieder werden getrennt geschrieben, die jeweiligen Textbausteine über iChat ausgetauscht, aber nicht erklärt. „Es ist viel schöner, wenn wir uns unser Geheimnis bewahren“, sagt Madley. Gesungen wird übrigens immer zu zweit, doch hört man kein eng umschlungenes Paar, sondern zwei sich freundlich gesonnene Monaden. Und dann ist ja noch der Band-Name: zwei Unbekannte. „Meine Freunde haben sich früher immer über mich lustig gemacht, weil ich ständig den Buchstaben X irgendwo hineingekratzt habe. Ist irgendwie ein schönes Symbol.“

Jörn Schlüter