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Throbbing Gristle und Psychic TV: Genesis P-Orridge ist tot


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Genesis P-Orridge (mit bürgerlichem Namen: Neil Andrew Megson), der Gründer der Industrial-Band Throbbing Gristle, später auch von Psychic TV, ist im Alter von 70 Jahren verstorben. Das teilte das Label Dais Records am Samstag (14. März) auf Facebook mit Berufung auf P-Orridges Töchter Genesse und Caresse mit.

Der britische Performancekünstler, Schriftsteller, Esoteriker und Musiker galt Zeit seines Lebens als manischer Arbeiter. Er veröffentlichte insgesamt über 200 Alben und begründete gemeinsam mit Cosey Fanny Tutti, Peter Christopherson und Chris Carter unter dem Bandnamen Throbbing Gristle im Fahrwasser der Punk-Explosion Mitte der 70er das, was heute als Industrial Music verstanden wird.

Wegbereiter der Industrial Music

Passend dazu hob P-Orridge ein Label namens „Industrial Music“ aus der Taufe und stellte, später auch mit der von ihm gegründeten Gruppe Psychic TV, Hörgewohnheiten in Frage, indem er Fabrik- und Alltagsgeräusche imitierte. Der Brite suchte dabei fast sklavisch nach künstlerischen Schockelementen, die auch über das akustische Störfeuer-Programm hinausgingen. Pornografie, Faschismusästhetik, Okkultismus und die Überhöhung von Gewalt finden sich in vielen Songs. Als Künstler organisierte P-Orridge fragwürdige Happenings, die nur zu einem Zwecke stattfanden: Konservative zu ekeln und zu erschrecken.

1981 lösten sich Throbbing Gristle auf (feierten aber 2004 noch einmal ein Comeback bis zum Tod von Mitglied Peter Christopherson). P-Orridge scharte mit seiner Sekte Temple Ov Psychick Youth zahlreiche Extremkünstler um sich und schuf mit seiner neuen Gruppe Psychic TV so etwas wie Industrial-Synthie-Pop, der später die Acid-House-Bewegung anfeuerte.

Genesis P-Orridge als Transgender-Sänger

Anfang der 90er flüchtete P-Orridge aus Großbritannien in die USA, nachdem er wegen einer Bilddarstellung bei einem Konzert unter Pädophilieverdacht geriet. Der Künstler trennte sich von allen Wurzeln, auch von Frau und Kindern, und arbeitete mit zahlreichen anderen Musikern.

Viele in dieser Zeit entstandene Stücke sind stark esoterisch angehauchte Spoken-Word-Verrenkungen im Ambient-Korsett. Mit seiner zweiten Frau, die sich nach der Hochzeit nur noch Lady Jaye Breyer P-Orridge nannte, experimentierte er mit Geschlechterstereotypen auf der Bühne. Gemeinsam verfolgten sie das Ziel, eine so genannte pandrogyne Geschlechtsidentität zu schaffen, die Männlichkeit und Weiblichkeit vereinen sollte. Beide näherten sich auch durch chirurgische Eingriffe phänotypisch immer weiter an.

In den letzten Jahren trat P-Orridge in wechselnden Besetzungen unter dem Namen PTV3 auf, das das künstlerische Erbe von Psychic TV sichern sollten. Seine Krebserkrankung verhinderte aber seit 2019 weitere Tourneen. Befreundete Musiker sammelten mit mehreren Crowdfunding-Kampagnen Geld, damit sich P-Orridge weitere Operationen leisten konnte.

Neville Elder Redferns

Coldplay: Geschichte einer enttäuschten Liebe

Was ist nur aus dieser Band geworden, die einmal so treffend den „Trouble“ nach der verloren gegangenen Liebe besang, sich in die Gehirnwindungen eines Wissenschaftlers vergraben konnte, das erbarmungslose Verstreichen der Lebenszeit in eine grelle Klavier-Tanz-Nummer überführte und den Titel eines ihrer kürzesten und schönsten Songs dem goldenen Mantra eines Kultbuchs für Nerds und Studenten entlieh? Ich muss zugeben, dass ich an Coldplay verzweifle. Ich kann nicht begreifen, wie es möglich sein kann, dass vier doch recht begabte Typen, die einen Haufen unsterblicher Lieder geschrieben haben, plötzlich aufgehört haben, Musik zu machen. Oder wenigstens Musik, die berühren will. Wie sensibel…
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