‚Twin Peaks‘ feiert seine TV-Premiere – und revolutioniert die Serien-Landschaft


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Noch immer geht ein Raunen durch die Welt, wenn auch nur das kleinste Gerücht darauf hindeutet, dass David Lynch seine Serie „Twin Peaks“, die es seinerzeit nur auf zwei Staffeln (1990-1991) gebracht hatte, wieder beleben könnte.

„Twin Peaks“ bot das bis dahin größte Puzzle der Fernsehgeschichte. Aus einem reinen „Who dunnit?“, der Frage, wer die Teenagerin Laura Palmer (Sheryl Lee) ermordete, entwickelte sich im Verlauf ein Spiel mit Identitäten, Übersinnlichem, Illusionen und lebenden Toten, und in deren Mittelpunkt standen surreale Charaktere. Allen voran der stoische, aber freundliche Agent Dale Cooper (Kyle McLachlan); für einen guten Kaffee und ein Stück Kirschkuchen hatte er immer Zeit, selbst wenn ein Unbekannter es auf seine Ermordung abgesehen hat.

Das fiktive Örtchen „Twin Peaks“ war die Kulisse für eine Lynch-Fantasie, die er schon für seinen Film „Blue Velvet“ (1986) angewandt hatte: Hinter jeder idyllischen Kleinstadtfassade verbergen sich Charaktere mit unergründlichen Motiven. Unschuldig ist keiner. Der Regisseur engagierte dafür eine hochkarätige Besetzung aus Kinodarstellern – neben McLachlan etwa Piper Laurie, Everett McGill, Joan Chen, Grace Zabriskie und Ray Wise – und mit Angelo Badalamenti einen Komponisten, der mit Daily-Soap-Motiven ebenso spielen konnte wie mit Synthesizer-Klängen, durch die man in tiefste Abgründe blickte. Lynch behandelte das Medium Fernsehen mit größtem Respekt, viele Episoden waren wie Kino – „Twin Peaks“ war 1990 damit Vorreiter jener aufwändig produzierten Serien, die ab der Jahrtausendwende das TV revolutionierten, wie „The West Wing“ und „Six Feet Under“. 

Wegen stark nachlassender Quoten wurde „Twin Peaks“ nach nur zwei Staffeln abgesetzt; sie endet mit einem der wohl besten Cliffhanger überhaupt. „Gerne hätte ich gesehen, was aus Dale Cooper in Staffel drei geworden wäre“, sagte Lynch in einem Interview. Dazu ist es nicht gekommen. Mit „Fire Walk With Me“ schob er 1992 einen unterschätzten Kinofilm hinterher, der die Vorgeschichte von Laura Palmer erzählte. Bewusst sparte der Regisseur darin den Humor der Serie aus; die Stadt war nun voller bösartiger Menschen. So neuartig der Zugang zu „Twin Peaks“ auch gewesen ist, die Zuschauer hatten erst einmal genug von Cooper, Laura und Co, der Film wurde verrissen.

Aber jene schweren, roten Vorhänge, die in „Twin Peaks“ den geheimnisvollen „Red Room“ des Unterbewussten ausstatten, die nahm David Lynch mit. In seinem Film „Mullholland Drive“ von 2001 sollten sie noch eine große Rolle spielen.