Causa Ulmen-Fernandes: Was ist ein „Degradierungsfetisch“?
Degradierungsfetisch beschreibt eine paraphile Erregungsbindung. Was das klinisch bedeutet – und wo die Grenze zu missbräuchlichem Verhalten liegt.
In einem am Donnerstagnachmittag (26. März 2026) kurz vor der Hamburger Demo gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen abgesetzten Instagram-Posting erhebt Collien Fernandes gegen ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen weitere schwere Vorwürfe.
Dabei spricht sie von einem „Degradierungsfetisch“, unter dem Ulmen leide. In einem auf mehrere Kacheln verteilten Post namens „Christian Ulmen und die Deepfakes“ schreibt sie:
„Was er mir gegenüber gestanden hat: Er habe einen sexuellen Fetisch entwickelt, mit dem er nicht mehr aufhören konnte. Einen Degradierungsfetisch. Es macht ihn geil, mich zu erniedrigen und mich auf eine Art in meinem beruflichen Umfeld zu präsentieren, von der er wusste, dass ich sie schrecklich finden würde. Das gibt ihm ein Gefühl von Macht. Macht über mich. Er hat im Laufe der letzten etwa zehn Jahre diverse Fakeprofile unter meinem Namen auf Social Media erstellt. Er hat männliche User kontaktiert – fremde Männer ebenso wie Männer aus meinem beruflichen Umfeld. Er hat eine Geschichte verschickt, die er erotisch fand (mehr dazu in meinem Post von letztem Donnerstag). Er hat pornografische Videos und erotische Fotos verschickt.“
Und weiter: „Dabei war ihm wichtig, dass alles glaubwürdig wirkt und das Material privat anmutet – so, als hätte ich mich heimlich beim Sex gefilmt und selbst nackt aufgenommen. Er habe so unter meinem Namen mit etwa 30 Männern eine intensive Online-Affäre geführt, inklusive Telefonsex. Er hat sexuelle Treffen in Aussicht gestellt und sie kurzfristig abgesagt. Weit mehr als diese 30 Männer hat er angeschrieben – nicht jeder hat sich darauf eingelassen.“
Was ist ein „Degradierungsfetisch“?
Ein „Degradierungsfetisch“ lässt sich laut medizinischer Einordnung am ehesten als eine Form paraphiler Erregungsbindung beschreiben – eine sexuelle Vorliebe, die von gesellschaftlich üblichen Mustern abweicht. Sexuelle Erregung ist dabei an Erniedrigung oder Machtausübung geknüpft. Entscheidend ist die Differenzierung zwischen einvernehmlichen Praktiken und nicht-einvernehmlichem Verhalten.
Sexuelle Erregung ist hier nicht allgemein, sondern an spezifische Reize gebunden: Erniedrigung und Kontrolle. Die zentrale Komponente ist die Erregung durch Degradierung einer anderen Person – durch Hierarchisierung und gezielte Abwertung, gekoppelt an das Erleben von Überlegenheit und Kontrolle.
Fernandes verweist zudem auf eine Ausweitung ins berufliche Umfeld: nicht nur eine private Fantasie, sondern eine Inszenierung vor Dritten. Das ist klinisch bedeutsam, weil dadurch soziale Konsequenzen und reale Schädigung entstehen. Da laut Fernandes nichts von diesem Fetisch einvernehmlich ausgelebt worden sei, wäre die soziale und psychische Schädigung der betroffenen Person in Kauf genommen worden – das Verhalten bewege sich damit im Bereich missbräuchlicher Dynamik, nicht konsensueller Sexualität.
Wichtig: Christian Ulmen hat zu allen Vorwürfen von Collien Fernandes bislang keine Stellung bezogen. Es gilt die Unschuldsvermutung.