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Uwe Kopfs Typewriter: Gans und Goebbels

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Uwe Kopfs Typewriter: Gans und Goebbels

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Der Komiker Fips Asmussen berichtet aus seinem Alltag und zieht einen Vergleich, der ziemlich lustig ist: „Ich kann’s nicht mehr hören, wenn die Leute mich ansprechen und sagen: ‚Hey, Fips, erzähl mal ’nen Witz!‘ Wenn Wladimir Klitschko vorbeikommt, dann sagt doch auch niemand: ‚Los, Wladimir, hau mir ’n paar in die Fresse!‘“

Hans-Joachim Kulenkampff verglich den CDU-Theoretiker Heiner Geißler einmal mit Goebbels und griff damit ein Zitat von Willy Brandt auf, das der Showmaster sogar noch zuspitzte: Aus „schlimmster Hetzer seit Goebbels“ wurde „schlimmer als Goebbels“. Kulenkampffs Vergleich hinkte so sehr, er brauchte einen Rollstuhl; später entschuldigte sich der Entertainer, denn er erkannte, was für einen Blödsinn er da geredet hatte. Ein Redekünstler kann mit einem Vergleich allerdings jeden Gegner beschämen und ausknocken.
Kathrin Oertel, inzwischen schon fast Politikerin statt Aktivistin, brachte den Vergleich des Jahres 2015 – das dürfte bereits feststehen, obwohl noch zehn Monate folgen, aber wer soll diese Kühnheit übertreffen? Oertel sitzt in Günther Jauchs Talkshow und zittert ein bisschen, Jauch bedrängt Oertel mit der Tatsache, dass von den Bewohnern Dresdens nur 0,4 Prozent Muslime sind, und fragt dann, während sein Kinn schon im Triumph wackelt, warum also gerade in Dresden all die Pegida-Leute gegen die Islamisierung protestieren. Oertel verdattert Jauch mit ihrer Antwort: Viele Deutsche würden auch gegen die Abholzung des Regenwaldes protestieren, obwohl’s in Deutschland gar keinen Regenwald gibt. Die Philosophen und Logiker unter den Zuschauern lächeln erst mal, müssen dann aber überlegen, ob Oertels Vergleich nicht doch die Wahrheit streift und dem Kollegen Schopenhauer gefiele, denn dessen Grundsatz war: Denken wie die wenigsten Leute und reden wie die meisten Leute!

Die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) stellten eine Frau, die durch ihr Äußeres (streng gezirkelte Augenbrauen) sofort mehr hermacht als Angela Merkel, Andrea Nahles (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne). Aber Oertels Busen, Beine, Po waren – anders als bei Merkel und Nahles – noch nie ein Thema. Es zählt vorerst ihr Gesicht: Je nach Licht, Laune und Perspektive ähnelt Oertel immerhin den Weltstars Sophia Loren oder Debbie Harry, Jodie Foster oder Gundel Gaukeley, der attraktiven Hexe, die gegen Dagobert Duck zaubert, um seinen Glückstaler stehlen zu können. Oertels Feinde versammelten sich nach ihrem Auftritt bei Günther Jauch in Zeitungsredaktionen und im Internet, sie beleidigten die auffällige Rechte und bespöttelten ihr Gesicht – sie ist 37 und wirke 20 Jahre älter, sie solle ihr Blondhaar öfter waschen und einen Schminkkurs belegen; viele Männer meinten zu wissen, wie sie’s im Bett gern hätte (Leder, Peitsche), und zitierten Frank Sinatra, der einmal geurteilt hatte, Madonna sehe aus, als ob sie streng röche – das würde auch auf Oertel zutreffen. Diese Demokraten reden nun wie Goebbels, dessen Spezialität es ja war, andere aufgrund ihres Aussehens zu verteufeln.

Kathrin Oertel, nahe Dresden geboren, spricht kein Hochdeutsch, sondern ihren Heimatdialekt, hahaha! Doch über das Sächsische zu kichern, das sollte sich doch spätestens 1974 erledigt haben, als Helmut Schön zwar auch sächselte, aber die Fußballnationalmannschaft trainierte und mit seiner Dresdener Strategie endlich mal wieder die Weltmeisterschaft gewann. Die Demokraten gaben Oertel auch Tiernamen, meistens „Schlange“, „Skorpion“, „Hyäne“; tatsächlich entspricht sie eher einer Gans.

Sie hat Pegida verlassen, in ein paar Monaten wird dieser beknackte Verein wieder verschwunden sein – die Rassisten dort wollen das Abendland retten, halten Okzident jedoch für eine Zahnpasta, während Oertel schon den nächsten Verein gegründet hat. Er heißt Direkte Demokratie für Europa, will den Bürger verstehen, Traditionen schützen und noch christlicher als die CDU sein. Zu ihrer ersten Demo seit dem Bandsplit (Pegida macht mit dem Hitlerbärtchen-Facebook-Heini weiter, Oertel geht solo) kamen bloß 500 traurige Gestalten.

Kathrin Oertel: ein Genieanfall bei Jauch, sonst eine Spinnerin mit großem Ehrgeiz. Und Ehrgeiz ist schon immer das Glück der Zukurzgekommenen gewesen. Oertels Freunde loben ihre Energie, sie schwinde nie. Wie bei Dynamo Dresden: drittklassig und ein bisschen fies.

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