Village-People-Leadsänger Victor Willis mit 74 Jahren gestorben

Der Sänger von „Y.M.C.A.“ und „Macho Man“ stirbt nach einer „kurzen, aber aggressiven“ Krankheit.

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Victor Willis, Frontmann der Village People und als „Polizist“ das bekannteste Gesicht der Disco-Formation, ist am Dienstag nach kurzer, aber aggressiver Krankheit gestorben. Das teilte seine Ehefrau und Managerin Karen Huff-Willis einen Tag später in den sozialen Medien mit. Willis wurde 74 Jahre alt. Mit seiner markanten Stimme und als Mitautor von Klassikern wie „Y.M.C.A.“, „Macho Man“, „In the Navy“ und „Go West“ prägte Willis den Sound der späten Siebzigerjahre entscheidend mit. Kaum eine andere Band stand so sehr für den ausgelassenen, queeren und zugleich massentauglichen Disco-Boom wie die Village People.

Die Stimme hinter den größten Disco-Hymnen

Nahezu jeder Song der Village People propagierte Gemeinschaft, Lebensfreude und Offenheit. Willis‘ energiegeladene Bühnenpräsenz machte ihn zum idealen Frontmann einer Gruppe, deren extravagante Figuren – Cowboy, Bauarbeiter, Matrose, Polizist, Biker oder Native American – längst zur Popkultur gehören.

Bereits 1979 sagte Willis im Interview mit „Rolling Stone“:

„Jeder von uns repräsentiert amerikanische Figuren, die es schon sehr lange gibt. Als ich uns bei der Thanksgiving-Parade sah, wurde mir klar, dass wir wirklich dazugehören.“

Auch Donald Trump reagierte auf den Tod des Sängers. Auf Truth Social schrieb der US-Präsident:

„Er war ein großartiger und fröhlicher Mensch, der es liebte, dass ich den Song seiner Gruppe, YMCA, bei meinen Kundgebungen verwendete. Er wurde 30 Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung erneut zu einem Monsterhit.“

Vom Gospelchor zu den Village People

Geboren wurde Victor Edward Willis am 1. Juli 1951. Er wuchs in Texas und später in San Francisco auf. Sein Vater war Baptistenprediger, Willis sang bereits als Kind Gospel in der Kirche.

Bevor er Popstar wurde, spielte er in Musical-Produktionen wie „Hair“, „The River Niger“ und „The Wiz“.

Als Produzent Jacques Morali 1977 die Village People gründete, engagierte er Willis als Leadsänger. Zunächst bestanden die Albumcover lediglich aus Models in den berühmten Kostümen. Erst nach dem Erfolg der ersten Platte suchte Morali per Anzeige im Village Voice gezielt nach „gut aussehenden schwulen Sängern und Tänzern mit Schnurrbart“, die Willis auf der Bühne begleiten sollten.

„Macho Man“ und der weltweite Durchbruch

Schon bald schrieb Willis gemeinsam mit Morali eigene Songs. Der erste große Erfolg war „Macho Man“, der Platz vier der Billboard-Dance-Charts erreichte.

Obwohl die Texte häufig mit homoerotischen Anspielungen spielten und Alben wie „Cruisin’“ diese Thematik offen aufgriffen, begeisterte die Musik ebenso ein heterosexuelles Publikum.

Morali erklärte 1978 gegenüber „Rolling Stone“:

„Ich glaube nicht, dass das heterosexuelle Publikum weiß, dass sie eine schwule Gruppe sind. Victor Willis ist nicht schwul, aber alle arbeiten zusammen – genau das versucht Amerika doch auch.“

„Y.M.C.A.“ wird zur ewigen Hymne

Mit „Y.M.C.A.“ gelang den Village People schließlich ihr größter Triumph. Der Song erreichte Platz zwei der US-Pop- und Dance-Charts und entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Singles aller Zeiten. Die berühmte Arm-Choreografie machte den Titel weltweit unverwechselbar.

Auf ihrem Höhepunkt sammelte die Gruppe sechs Gold- und vier Platin-Auszeichnungen. Zeitgenössischen Berichten zufolge verkauften die Village People weltweit mehr als 20 Millionen Singles und 18 Millionen Alben.

Für Willis war „Y.M.C.A.“ allerdings nie ausschließlich ein queerer Song.

„’Y.M.C.A.‘ ist ein humanitärer Song. Es geht einfach darum, jemandem zu helfen“, erklärte er 1979.

Später betonte er mehrfach, die Inspiration habe eher günstigen Unterkünften gegolten als sexuellen Anspielungen. Gemeinsam mit seiner Frau ging Willis in späteren Jahren sogar juristisch gegen die Bezeichnung des Songs als „Gay Anthem“ vor.

„Ich habe nichts dagegen, wenn homosexuelle Menschen den Song als ihre Hymne ansehen. Aber zu behaupten, der Text handle von Homosexualität oder sexuellen Handlungen im YMCA, ist schlicht falsch.“

Ausstieg, Drogenprobleme und juristischer Kampf

1979 verließ Willis die Village People aufgrund von „Lebensstil-Unterschieden und der öffentlichen Wahrnehmung der Band“, wie später auf seiner Website zu lesen war. Kurz darauf spielte die Gruppe ohne ihn im Film „Can’t Stop the Music“, konnte den kommerziellen Erfolg jedoch nicht wiederholen.

Ein kurzes Comeback folgte 1982, ehe Willis die Band 1984 erneut verließ.

Von 1978 bis 1982 war er mit Schauspielerin Phylicia Rashad verheiratet. Seine Solokarriere blieb weitgehend erfolglos. Sein einziges veröffentlichtes Soloalbum, „Solo Man“, erschien erst 2015 – obwohl es bereits 1979 aufgenommen worden war. Lediglich eine futuristisch klingende Coverversion von Olivia Newton-Johns „Physical“ erschien 1983.

Zugleich kämpfte Willis jahrelang mit Drogenproblemen und absolvierte 2007 erfolgreich eine gerichtlich angeordnete Therapie.

Während dieser schwierigen Zeit hatte er die Rechte an seinen Songs an Jacques Moralis Unternehmen verkauft. Gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Karen Huff-Willis, einer Anwältin, erkämpfte er sich die Urheberrechte später im Rahmen des US-amerikanischen Copyright-Rechts zurück.

Popkultur-Legende und Aufnahme ins National Recording Registry

Auch nachdem der Disco-Boom längst vorbei war, blieb die Popularität der Village People ungebrochen. U2 parodierten die Band 1997 in einem Musikvideo, dazu kamen zahlreiche Anspielungen in Filmen und Serien wie „Wayne’s World 2“, „City Slickers“, „Eine schrecklich nette Familie“ oder „Hinterm Mond gleich links“.

2020 nahm die Library of Congress „Y.M.C.A.“ in das National Recording Registry auf und würdigte den Song damit als kulturell bedeutendes Werk der amerikanischen Musikgeschichte.

Von 2017 bis 2023 stand Willis nach langen Rechtsstreitigkeiten erneut an der Spitze der Village People.

„Es war meine Gruppe, und ich wollte meine Musik selbst wieder aufführen.“

Der Streit um Donald Trump

Besonders kontrovers verlief Willis‘ Verhältnis zu Donald Trump.

Zunächst widersetzte er sich der Nutzung von „Y.M.C.A.“ und „Macho Man“ im Präsidentschaftswahlkampf. Nach den Tötungen von George Floyd und Breonna Taylor forderte Willis Trump öffentlich auf, die Songs nicht länger zu verwenden. Seine Frau verschickte später sogar eine Unterlassungsaufforderung, nachdem als Village People verkleidete Künstler den Song in Mar-a-Lago aufgeführt hatten.

Ab 2024 änderte Willis jedoch seine Haltung.

„Mir fiel auf, dass Trump den Song wirklich mochte und dass er den Menschen jedes Mal Freude bereitete, wenn er ihn spielte.“

Er wies schließlich die Verwertungsgesellschaft BMI an, Trumps Nutzung der Musik nicht zu unterbinden. Obwohl Willis Demokrat war, unterstützte er nach Trumps Wahlsieg dessen zweite Amtszeit und trat mit den Village People sogar bei der Amtseinführung auf.

Später sagte er:

„Wir bereuen den Auftritt bei der Amtseinführung überhaupt nicht. Das war das Größte, was die Village People je gemacht haben. Es ist eine Ehre, von jedem Präsidenten ins Weiße Haus eingeladen zu werden.“

Ein Song für die Ewigkeit

Über das Vermächtnis von „Y.M.C.A.“ sagte Victor Willis anlässlich der Aufnahme ins National Recording Registry:

„Ich hatte keine Ahnung, als wir ‚Y.M.C.A.‘ schrieben, dass daraus einer der ikonischsten Songs der Welt werden würde – ein fester Bestandteil von Hochzeiten, Geburtstagen, Bar-Mitzwas und Sportveranstaltungen.“

Mit Victor Willis verliert die Popmusik einen der prägenden Sänger der Disco-Ära. Seine Stimme machte „Y.M.C.A.“ zu einer Hymne, die Generationen überdauerte und bis heute weltweit Menschen auf die Tanzfläche bringt.

Nick Reilly schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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