Omega-Sänger János Kóbor stirbt ungeimpft an Corona


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Omega-Sänger János „Mecky“ Kóbor ist tot. Der ungarische Sänger starb in der Nacht zum Montag (6. Dezember) in einer Klinik in Budapest. Er wurde 78 Jahre alt. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf das Management der Band. Der Musiker wurde vor drei Wochen wegen einer Corona-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert und fiel später ins Koma – impfen lassen wollte er sich nicht.

Kóbor gründete Omega im Alter von 19 Jahren

Im Jahre 1962 gehörte Kóbor als 19-jähriger zu den Gründungsmitgliedern von Omega, die sich aus zwei in der ungarischen Hauptstadt beheimateten Schülerbands zusammensetzten. Ihren Namen haben sie vor ihrem ersten offiziellen Auftritt vom Veranstalter erhalten. In den Folgejahren tourten sie unter anderem durch England, wo sie auch ihre Debütplatte aufnahmen.

Im Jahre 1968 erschien ihr zweites Studioalbum „Trombitás Frédi és a rettenetes emberek“ (zu deutsch: Trompeter Fredi und die schrecklichen Menschen). Es verkaufte 100.000 Exemplare, die Stücke stehen in der Tradition der Rolling Stones, Beatles und Kinks, zeigen aber auch Einflüsse ungarischer Volksmusik.

„Perlen im Haar“ begeisterte nicht nur Ungarn, sondern auch Kanye West

Ein Jahr darauf folgte das psychedelisch angehauchte Album „10.000 lépés“ (10.000 Schritte) – ein riesiger Erfolg. Die darauf enthaltene Ballade „Gyöngyhajú lány“ (Perlen im Haar) blieb der größte Hit der Gruppe. Nicht nur Frank Schöbel („Schreib es mir in den Sand“) und die Scorpions („White Dove“) coverten das Stück. Auch der Rapper Kanye West ließ sich davon für seinen 2013 veröffentlichten Song „New Slaves“ inspirieren. In der Folge klagte Omega-Komponist Gábor Presser wegen Urheberrechtsverletzung, schließlich einigte man sich außergerichtlich auf einen unbekannten Betrag.

Im Osten waren Omega Ikonen

In den 70er- und 80er-Jahren hat man Omega im früheren Ostblock eine ähnliche Bedeutung beigemessen wie im Westen den Rolling Stones. Ihre legendärsten Konzerte spielten sie im strömenden Regen: Vor allem die Gigs von 1982 im Berliner Plänterwald, wo Omega ohne Bühnenüberdachung vor 35 000 Fans spielten und ein Konzert im Népstadion in Budapest vor 70.000 Zuschauern bleiben im kollektiven, verregneten Gedächtnis. Kóbor, der im Übrigen Diplom-Ingenieur war, entzückte als charismatischer Sänger mit seiner blonden Mähne das Publikum – selbst im gesetzteren Alter schwor er auf seine nunmehr ergraute Haartracht.

Kóbor dachte, dass eine Impfung für ihn nicht notwenig sei

Omegas jüngstes Album mit dem bezeichnenden Titel „Testamentum“ (Testament) erschien Ende 2020 – es sollte definitiv das letzte bleiben. Unmittelbar zuvor waren der Keyboarder Laszlo Benkö und der schon länger nicht mehr auftretende Bassist Tamas Mihaly gestorben. Kóbor aber wollte weitermachen, in welcher Form auch immer.

In einem Interview sagte er, dass er sich nicht gegen Corona impfen lassen werde. Sein Immunsystem sei stark genug, schließlich war er als beinahe 80-Jähriger noch nie ernsthaft erkrankt. Am Ende beteten tausende Fans für die Gesundheit ihres im Krankenhaus liegenden Idols – vergebens. Kóbor hinterlässt seine Ehefrau, die gemeinsame 14-jährige Tochter und einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe.