Warren Zevon – „Sentimental Hygiene“

Und nicht die Therapie hatte so lange gedauert, sondern die Suche nach einer neuen Firma. Schon zwischen seinem Debüt und der nächsten Platte hatte Zevon sechs Jahre vergeudet. Umso bezwingender waren allerdings die Songs, mit denen er 1976 zurückkehrte.Unter den Songs im Herbst 1987 ist „Detox Mansion“, eine knappe, gar nicht so vitriolische Beschreibung des Lebens im Sanatorium: „Left my home in Music City/ In the back of a limousine/ Now I’m doin‘ my own laundry/ And I’m gettin‘ the clothes clean.“ Am Ende weiß Zevon: „It’s tough to be somebody/ And it’s hard not to fell, apart.“ Zevon gab auch das Rauchen auf und erschien uns 1992, bei einer kleinen Tournee durch Deutschalnd, als kalifornischer Muskelmann mit langen, zum Zopf gebändigten Haaren. Jetzt, da er nicht mehr lebt, wird alles zum tragischen Zeichen. „Sentimental Hygiene“ war das, was sich der früher gnadenlose Spötter und Übertreibungskünstler, der Waffennarr und Gruselkomödiant nun in schmerzlichen, nicht ambivalenten Balladen wie „Reconsider Me“ und „The Heartache“ erlaubte: „There’s a sadness in the heart of things.“

Aber es war auch noch Sarkasmus in dem Geläuterten: „Trouble Waiting To Happen“ und „Bad Karma“ hadern eher mild mit dem Unvermeidlichen der Existenz, aber „The Factory“ ist so beißend und brutal wie ein Song von Randy Nemwan: „Kickin‘ asbestos in the factory/ Breathin‘ that plastic in the factory/ Punchin‘ out Chryslers/ Makin‘ polyvinyl chloride in the factory.“ In dem ätzenden Rock’n’Roll von „Even A Dog Can Shake Hands“ spielen Peter Buck, Mike Mills und Bill Berry auf, die damals noch nicht welterberühmt waren. „Well, he’s trying to survive up on Mulholland Drive“, um nicht irgendwann unten im Valley zu enden. im letzten Song, dem elektronischen Afro-Funk „Leave My Monkey Alone“ (arrangiert von George Clinton), werden die letzten Tage des Kolonialismus auf Zevonsche Art angedeutet: „We drank our bitters as the empire fell.“

Vielleicht ist „Sentimental Hygiene“ Zevons ausgewogenstes, befiedigenstes Album geblieben. Es ist eine Rock-Platte mit Neil Young, Bob Dylan (Mundharmonika!), Don Henley, Brian Setzer und eben R.E.M.. Erst am Ende seines Lebens, bei „The Wind“, kamen noch mehr Freunde ins Studio. Und diese Zeilen sind mir unvergesslich: „Some nights i drive my car/ Up and down the boulevard/ I need some/ Sentimental hygiene/ Everybody’s in war these days/ Let’s have a mini-surrender.“

Zwischendurch, als er wieder mal lange keine neue Platte herausbrachte, hatte ich Warren Zevon fast verloren. Jetzt merke ich, wie sehr ich ihn vermisse. Dort, wo unter meinen zehn Lieblingsplatten luxuriöse drei von Randy Newman stehen, gehört eine LP von Warren Zevon hin.

Virgin, 1987


Playlist: Die 13 besten Songs zum Freitag, den 13.

Für einige ist es ein „Grey Day“ (Madness), für viele wird es ein „Bad Day“ (Camel), anderen wird „Maxwell's Silver Hammer“ (The Beatles) mit einem „Bang! Bang!“ auf die Rübe knallen. Aber wie auch immer dieser „Freitag der 13.“ (Die Toten Hosen) aussehen wird, und ganz egal ob man schon ganz optimistisch seiner Freundin versprochen hat, dass man „Ankomme Freitag, den 13., um vierzehn Uhr, Christine“ (Reinhard Mey), es bleibt nunmal eine dunkle Tatsache: Die „Thirteen“ (Big Star) in diesem Freitag  bedeutet „Bad Luck“ (Harold Melvin and The Blue Notes & Social Distortion), denn „13 Steps Lead Down“ (Elvis Costello),…
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