Wenn Rapper streiten: Ein schöner Krach belebt die Albenverkäufe


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Eminem ist zurück – und in gewohnter Manier legt er sich gleich wieder mit dem Rest der Welt an. Zum Video seiner neuen Single „We Made You“ gibt es bereits analytische Erhebungen, wer alles angerempelt wird – so groß ist die Zahl der Stars und Sternchen, die durch den Kakao gezogen werden. Jessica Alba, Lindsay Lohan, Bret Michaels, Jessica Simpson, Britney Spears und Amy Winehouse – sie alle und noch einige mehr bekommen ihr Fett weg, doch Videos wie dieses sind für Eminem und seine Strategie typisch.

Schon seit „The Real Slim Shady“ aus dem Jahre 2000 ist es bei Eminem Tradition, mit jedem Video zur ersten Singleauskoppelung eines neuen Albums einen oder mehrere Stars auf die Schippe zu nehmen. Doch auch für richtige Streits ist der Rapper zu haben. Everlast, Fred Durst (Limp Bizkit) oder auch Ja Rule zählten bereits zu seinen Kontrahenten. Doch diese Aufmerksamkeit hat seinen Plattenverkäufen bislang nicht geschadet.

Öffentlich ausgetragene Streitigkeiten sind im HipHop schon lange Tradition. Rapper, die auf der Bühne gegeneinander antreten und einander solange mit Worten bekämpfen, bis einer der beiden aufgibt, sind die Anfänge dieser Battle-Kultur. Schon LL Cool J bekriegte sich 1987 in den Anfängen des Hip Hop mit seinem Kollegen Kool Moe Dee. Später gab es dann den East-Coast / West-Coast-Konflikt in dessen Verlauf die beiden Rapper 2Pac und Notorious B.I.G. den Tod fanden.

In Deutschland ging es dagegen anfangs ziemlich brav zu, doch auch das hat sich mittlerweile geändert. Jüngstes Beispiel sind Kollegah und Fler, die sich derzeit in den Haaren liegen. Grund: Der Track „Westdeutschlands Kings“. Zusammen mit Favorite schießt Kollegah darauf gewaltig gegen das Berliner Label Aggro Berlin und so ziemlich jeden dort vertretenen Künstler. Nebenbei wird auch noch kräftig Werbung für „Chronik II“ einen Sampler der eigenen Plattenfirma Selfmade Records und der bald startenden „Mittelfinger Hoch“-Tour gemacht.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Zusammen mit Sido, Godzilla und Kitty Kat veröffentlichte Fler den Track „Früher wart ihr Fans“. Darauf bringt er das Grundkonzept vieler Beefs auf den Punkt: „Früher waren es Tracks, heute Werbung für den Sampler“. Einer, der sich diesen Satz wohl besonders verinnerlicht hat, dürfte 50 Cent sein.

„Before I Self-Destruct“, Fiddys neues Album, sollte ursprünglich in den USA am 3. Februar 2009 erscheinen, doch wirklich interessiert hat es keinen. Als auch das „ausplaudern“ von Eminems Comeback-Plänen nicht mehr half, begann 50 Cent gezielt nach möglichen Kontrahenten zu suchen. Die Wahl fiel zunächst auf ein sehr offensichtliches Ziel: Kanye West, mit dem er sich bereits 2007 ein spektakuläres Rennen um die Nummer 1 der US-Charts lieferte (beide Alben erschienen am selben Tag).

So erzählte 50 Cent in verschiedenen Interviews, Wests aktuelles Album „808&Heartbreak“ sei eine „R&B-Platte“ und veräppelte während eines Konzerts die Single „Love Lockdown“. Doch Kanyes einzige Reaktion bestand in einem beleidigten Schmollen und Gerede darüber, wie schäbig sich sein „früheres Idol“ Fiddy sich verhalte. Also mussten neue Ziele ausgesucht werden.

Aber auch Lil‘ Wayne interessierte sich nicht für die Beleidigungen seines Rap-Kollegen. Seit Monaten ignoriert er vehement Äußerungen wie „Lil‘ Wayne ist ein Junkie“ seitens Fiddy. Als es schon aussah, als gäbe es wirklich niemand, der Lust auf einen guten Beef habe, kam Rick Ross mit seinem Track „Mafia Music“ in dem er 50 Cent heftig disste. Es folgte ein monatelanger Battle zwischen den Beiden – gratis Promo inklusive. Rick Ross‘ am 17. April erscheinendem Album „Deeper Than Rap“ dürfte es nicht geschadet haben.

Die Plattenverkäufe ankurbeln – das war sicher auch nicht unerheblich für Flers Antwort auf den Track von Kollegah. Der schickte dann auch sofort „Fanpost“ nach Berlin und Fler reagierte mit „Schrei nach Liebe“. Kleiner Effekt große Wirkung: Beide Rapper waren in aller Munde und Fler hatte die perfekte Promo für sein neues Album „Fler“.

Streit erprobt ist der Berliner Rapper ja auf jeden Fall, schließlich stritt er sich jahrelang mit seinem ehemals besten Kumpel Bushido. Nach dessen Ausstieg bei Aggro Berlin gab es immer wieder Verbalattacken zwischen Bushido und den Aggro-Rappern Sido und Fler. Das Ganze gipfelte darin, dass sich Sido und Bushido immer wieder Prügel oder Schlimmeres androhten. Passiert ist allerdings nichts – nur die Plattenverkäufe gingen immer weiter in die Höhe.

Seit Fler vor zwei Wochen allerdings offiziell seinen Ausstieg bei Aggro Berlin bekannt gab, ist es wieder ruhiger geworden. Sogar mit Bushido – letztes Jahr noch Intimfeind – gibt es mittlerweile Annäherungen. So setzten sich die beiden zunächst gegenseitig auf Platz 2 ihrer MySpace-Freundeslisten – wenig später bestätigte Fler die Versöhnung. Ob der Battle mit Kollegah indessen weiter geht, bleibt abzuwarten. Das neue Fler-Album ist ja mittlerweile auch schon auf dem Markt.

Dafür tragen offenbar die Kollegen von Aggro Berlin den Streit derweil auf ihre Art weiter aus. Als Kollegah, Favorite, Shiml und Casper im Zuge ihrer „Mittelfinger Hoch“-Tour in Berlin stoppten, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen- angeblich seitensder Aggro Rapper Deso Dogg, Joe Rilla und Tyron Berlin. Diese stürmten die Bühne und verprügelten offenbar einen der Roadies, während Rapper Shiml im Backstage Bereich entkommen konnte. Es wird vermutet, dass die Berliner Rapper ihrem Ärger über das Ende des Labels Aggro Luft machen wollten.