Wer hat’s gesagt: Pete Hegseth oder Colin Jost als Pete Hegseth?
Die Presseauftritte des Pentagon-Chefs zum Iran-Krieg sind so grotesk, dass selbst „Saturday Night Live“ kaum mithalten kann.
Wenn man nicht gerade als Journalist über nationale Verteidigung berichtet, zählt das tägliche Pentagon-Briefing vermutlich nicht zu den Sendeterminen, die man sich rot im Kalender anstreicht. Normalerweise ist es ein Gewirr aus fachjargongesättigten Fragen und Antworten zwischen der Presse und dem jeweiligen Sprecher, der das Pech hat, die Entscheidungen des Verteidigungsministeriums erklären zu müssen. In Kriegszeiten sieht das etwas anders aus.
Seit einigen Wochen nutzt Verteidigungsminister Pete Hegseth das Beautification-Studio, das er sich neben dem Briefing-Raum hat einrichten lassen, für persönliche Auftritte vor den Medien – begleitet vom laufenden Krieg gegen Iran. Hegseth, ehemaliger Fox-News-Moderator, hat dem Pentagon (oder, wie er es gerne nennt, dem Department of War) seinen ganz eigenen Stil verpasst. Am treffendsten lässt er sich als kläffender Hund beschreiben, der darauf besteht, dass sein Biss jeden Moment tödlich zuschlagen wird. Wie viele Varianten gibt es, um zu sagen, dass man absolut tödlich ist? Pete Hegseth will es herausfinden. Sein bizarrer, an Dr. Seuss erinnernder Sprechrhythmus und seine schrägen Reimschemata sind dabei noch das Harmloseste.
Und dann ist da noch „Saturday Night Live“. Die Show hat eine lange, ruhmreiche Geschichte darin, prominente amerikanische Politiker durch den Kakao zu ziehen – so sehr, dass die Parodien in manchen Fällen das Original im kollektiven Gedächtnis verdrängt haben. Sarah Palin hat nie gesagt, sie könne Russland „von ihrem Haus aus“ sehen – das war Tina Fey. Viele erinnern sich an Dana Carveys Imitation von George H.W. Bush mit „a thousand points of light“, bevor sie an den Präsidenten selbst denken. Pete Hegseth könnte ein ähnliches Schicksal ereilen – wobei seine Tiraden hinter dem Rednerpult möglicherweise noch komisch absurder sind als Colin Josts regelmäßige Verkörperung davon.
Jost gegen Hegseth
Der „Weekend Update“-Co-Anchor hat Hegseths Frat-Boy-Gehabe und performative Macho-Attitüde in einer Reihe von „SNL“-Cold-Opens meisterhaft verkörpert, die in den sozialen Medien massenhaft viral gegangen sind. Jost als Hegseth bezeichnet den Krieg gegen Iran nicht als Krieg, sondern als „Situationship“, und lässt reichlich Witze über Hegseths angebliches Alkoholproblem fallen. Doch manche Formulierungen treffen so präzise ins Schwarze, dass man wirklich nicht unterscheiden kann, wer sie gesagt hat: der Mann, der Amerikas Militär befehligt, oder ein Late-Night-Comedian.
Also: Wer hat’s gesagt?
- „We negotiate with bombs.“
- „Stop saying the Strait of Hormuz is closed. It’s wide open.“
- „In here, from now on, we’re doing army and army only, and we will be doing it in one of the bloodiest, war torn places on the face of the earth.“
- „Maximum lethality, not tepid legality. Violent effect, not politically correct.“
- „It takes money to kill bad guys.“
- „Thanks to failed liberal policies our army has never been gayer.“
- „Mr. President, I only speak American.“
- „The good news is our operation couldn’t be going better, and everyone loves it.“
- „Cut Iran into pieces, make it a Trump resort.“
- „Every once in a while you might have a squirter that makes its way through.“
- Pete Hegseth, auf einer Pressekonferenz am 24. März. Hegseth kommentierte damit Trumps Behauptungen, Iran nehme an Verhandlungen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus teil. Ähnliche Aussagen tätigte er auch bei einem Kabinettstreffen am Donnerstag.
- Diese Aussage stammt von Colin Jost, aus dem „SNL“-Cold-Open vom 14. März. Sie ist nur eine leichte Abwandlung tatsächlicher Aussagen Hegseths über die Meerenge. Am 13. März erklärte Hegseth Reportern, das „einzige, was den Transit durch [Hormus] derzeit verhindert, ist, dass Iran“ auf Tanker schieße – als wäre das nur eine lästige Kleinigkeit. „Die Straße ist offen für den Transit, sofern Iran das unterlässt.“
- Colin Jost, im „SNL“-Cold-Open vom 4. November 2026, als Seitenhieb auf Hegseths Besessenheit, DEI aus dem Militär zu tilgen. Der Pentagon-Chef hielt im September des Vorjahres eine Rede vor der Militärführung in Quantico, in der er den Generälen erklärte, „Woke“ sei nun tot, Frauen im Dienst müssten sich einem „männlichen Standard“ anpassen, und Letalität sei jetzt die oberste Priorität des Pentagons – als wäre Tötungseffektivität bislang ein nachrangiges Anliegen der am besten finanzierten und technologisch fortschrittlichsten Streitmacht der Menschheitsgeschichte gewesen.
- Pete Hegseth, im vergangenen Herbst, als Trump per Exekutivorder den Namen des Verteidigungsministeriums in Department of War ändern ließ. Hegseth beklagte, Amerika habe „keinen großen Krieg mehr gewonnen“, seit es nach dem Zweiten Weltkrieg den Namen Department of Defense angenommen habe.
- Das war Hegseth, der das Pentagon verteidigte, nachdem bekannt geworden war, dass sein Ministerium beim Kongress 200 Milliarden Dollar für den Iran-Krieg beantragen wollte – Geld, das viele Amerikaner und Abgeordnete anderswo besser aufgehoben sehen.
- Colin Jost, im vergangenen Oktober, als Spott auf Hegseths Feldzug gegen Diversität im Militär. „Und gleichzeitig war es noch nie fetter! Wie soll das zusammenpassen!“, fuhr Jost fort. Hegseth hat auch übergewichtige Soldaten attackiert. „Ehrlich gesagt, ist es ermüdend, in Kampfformationen – oder eigentlich in jeder Formation – fette Soldaten zu sehen. Ebenso ist es völlig inakzeptabel, fette Generäle und Admirale in den Fluren des Pentagons zu sehen“, sagte er bei einem Auftritt vor Generälen in Quantico, wenige Tage bevor Jost die Rede auf die Schippe nahm.
- Pete Hegseth, am 7. März, beim Auftakttreffen von Trumps neuestem außenpolitischen Prestigeprojekt, dem „Shield of the Americas“. Hegseth eröffnete seine Rede vor einem Saal voller lateinamerikanischer und spanischsprachiger Staats- und Würdenträger mit der Ansage, er spreche nur „Amerikanisch“. Die Bemerkung fiel, nachdem Trump Außenminister Marco Rubios Spanischkenntnisse gelobt hatte. „Er hat einen Sprachvorteil gegenüber mir, denn ich lerne eure verdammte Sprache nicht“, sagte Trump.
- Jost im „SNL“-Cold-Open vom 7. März. Es hätte genauso gut von Hegseth stammen können. Oder von Trump, der an einem Punkt behauptete, er genieße „100 Prozent“ Rückhalt in der Bevölkerung für den Krieg – eine Zahl, die einer einzigen Umfrage unter bekennenden MAGA-Wählern entstammte. Hegseth hat Reporter wiederholt gerügt, weil sie seiner Meinung nach zu wenig positiv über den Krieg berichten.
- Colin Jost, in der „SNL“-Folge vom 7. März 2026. Der Witz – eine Anspielung auf die Eröffnungszeile von Papa Roachs Hit „Last Resort“ – bezieht sich auf Trumps Wunsch, die Trümmer Gazas in eine „Riviera des Nahen Ostens“ zu verwandeln, gestaltet nach seinem eigenen protzigen Geschmack.
- Pete Hegseth, der auf einer Pressekonferenz am 2. März versuchte, einen iranischen Angriff zu beschreiben, bei dem zu Kriegsbeginn sechs amerikanische Soldaten ums Leben kamen. Hegseth behauptete, „Squirter“ sei militärisches Fachjargon für ein Geschoss, das die amerikanische Verteidigung durchbrochen habe. Tatsächlich bezeichnet der Begriff am häufigsten einen feindlichen Kämpfer, der versucht, vom Ort eines Angriffs zu fliehen.