Wie Brian Wilson den Gipfel seines Schaffens erreichte


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Nur gut, dass Brian Wilsons Paranoia Anfang ’66 noch nicht medikamentös gedämpft wurde. Noch konnte er sich aufraffen und Ambitionen hegen, auch wenn diese flüchtig schienen oder einem unbegreiflichen, an Selbstverachtung grenzenden Minderwertigkeitskomplex entsprangen. Wie dieser drollige Ehrgeiz, mit den Beatles um die Krone der Kreativität zu konkurrieren. Als müsste sich „Pet Sounds“ hinter „Revolver“ verstecken, und „Good Vibrations“ sich nicht bücken, um „Paperback Writer“ auf Augenhöhe zu begegnen.

Nur gut, dass Brian nicht wusste, dass er dieses selbstgesteckte Soll bereits übererfüllt hatte. Und so schulterte der Komponist sein Gershwin-Gepäck und suchte sich im Sandkasten seines Wohnzimmers wie besessen an chromatischen Leitern emporzuhangeln, in Halbtonschritten dem Gipfel seines Schaffens entgegen. Van Dyke Parks stiftete dazu verrätselte Lyrik, die Brian befremdete und beflügelte, doch der Aufstieg zog sich in monatelangen Etappen hin, zahlreiche Sessions versandeten buchstäblich. „Heroes And Villains“ drohte, unvollendet zu bleiben wie das Album, als dessen Schlüssel-Track es ausersehen war.

Nur gut, dass Brian am Scheitern von „Smile“ nicht gleich zerbrach, sondern letzte Reserven zu mobilisieren vermochte, um „Heroes And Villains“ nicht bloß zu retten, sondern endlich in eine schlüssige Dramaturgie einzubinden. Ein geniales Arrangement schuf aus dem Nebeneinander fragmentarischer, liederlich verfugter Songfetzen ein unerhört komplexes und doch mitreißendes Miniaturepos, das als Single erst im Sommer ’67 für einiges Aufsehen, nicht jedoch für die erhofften Millionenumsätze sorgte. „The last dynamic Brian moment“, so ordnete Mike Love den künstlerischen Triumph ein, nicht ohne im nächsten Moment den aus seiner Sicht wahren Schuldigen am kommerziellen Desaster an den Pranger zu stellen: Van Dyke Parks.

Nur gut, dass Brians intellektuelle Kapazitäten damals schon im halluzinogenen Koma lagen. Sie reichten ihm gerade noch, sich als Verlierer zu fühlen, weil der Beatles-Sommerhit „All You Need Is Love“ im Charts-Wettlauf locker obsiegt hatte. Sie reichten auch, um „Smile“ als gescheitertes Experiment abzuhaken. Um zu einem Disput über die Meriten des Songtextes anzutreten, hätte Brian Wilson ihn zunächst verstehen müssen, doch was er zu verstehen glaubte, war nur die letzte, seine fatalistische Weltsicht bestätigende Zeile: „Just see what you’ve done.“



Beach Boys deuten Reunion-Tour zum 60. Jubiläum an

Nächstes Jahr sind es 60 Jahre, seit die legendären Beach Boys gegründet wurden und ihre erste Debütsingle „Surfin“ veröffentlichten. Obwohl die drei verbliebenden Bandmitglieder Mike Love, Alan Jardine und Brian Wilson seit mehreren Jahren getrennte Wege gehen, könnte das bevorstehende Bandjubiläum nun Anlass für eine gemeinsame Tour geben. Im Gespräch mit der US-Ausgabe des ROLLING STONE sagte Beach-Boy-Sänger Mike Love, dass er einem Wiedersehen auf der Bühne durchaus positiv eingestellt sei: „Ich bin prinzipiell nicht dagegen. Alles, was irgendwie kreativ ist und aus positiven Gründen getan wird, finde ich gut. Wir werden uns weiter darüber Gedanken machen und sehen, was wir tun können.“. Aufgekommen…
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