Menschenhasser mit Herz: Endlich kommt „Wilson“ von Daniel Clowes ins Kino

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Menschenhasser mit Herz: Endlich kommt „Wilson“ von Daniel Clowes ins Kino

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Woody Harrelson ist der strahlende Mittelpunkt dieses Films, der auf der gleichnamigen Graphic Novel von Daniel ­Clowes basiert. Der Comic­autor hatte schon die Vorlage zu Terry Zwigoffs fantastischem „Ghost World“ geliefert. „Wilson“ spielt nicht in der gleichen Liga, auch wenn man sich keinen besseren Interpreten der Clowes-­Welt vorstellen kann als Harrelson. Das Unheil in seinen Augen nimmt uns für die Titelfigur des Films ein, einen neurotischen Nörgler, der über das Internet und all die anderen Plagen der modernen Zeiten wettert.

Wilson hasst zudem Menschen – seine größte Freude ist es tatsächlich, ihnen Unbehagen zu bereiten, indem er ihnen allzu sehr auf den Leib rückt. Nur seinen Hund, einen Foxterrier namens Pepper, hat er lieb gewonnen. In einer Szene spazieren Wilson und Pepper an einem ­Kino vorbei, in dem Vittorio De Sicas neorealistische Studie über die Einsamkeit (mit Hund), „Umberto D“, gezeigt wird. Muster erkannt.

Etwas viel Sentimentalität

Aber Clowes, der das Drehbuch geschrieben hat, und der Regisseur Craig Johnson sind dem anarchischen Humor näher als dem Pathos. Die Handlung wird durch Wilsons Wiedersehen mit seiner Exfrau Pippi (Laura Dern) in Gang gesetzt, die zudem ein Exjunkie ist und ihm erzählt, dass das gemeinsame Kind, von dem er dachte, sie hätte es abgetrieben, ziemlich lebendig sei und bei Adoptiveltern lebe. Das weckt bei Wilson Gefühle, die er nicht versteht, und es macht Spaß, Harrelson dabei zuzusehen, wie er mit ihnen ringt. Er spürt seiner Teenagertochter ­Claire (Isabella Amara) auf, die seinen Zynismus geerbt zu haben scheint, und überzeugt sie, ihren biologischen Eltern eine Chance zu geben.

Die Katastrophe lässt nicht lange auf sich warten – damit geht allerdings auch ein sehr unangenehmer Zug ins Sentimentale einher. Immerhin erlaubt ein Besuch bei Pippis überkritischer Schwester (Cheryl ­Hines) es dem Trio, kurz mal Fa­milie zu spielen. Für einen kurzen Moment wird „Wilson“ zu dem tragikomischen Drahtseilakt, den ­­Clowes wohl im Sinn hatte.

Peter Travers

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