Wieso spielen Metallica keine Zugaben?

Zugabe? Nicht mit Metallica. Die Band verzichtet mittlerweile vollkommen auf dieses Konzertritual.

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Normalerweise läuft es bei großen Rockkonzerten immer gleich ab. Die Band spielt den vermeintlich letzten Song, bedankt sich unter tosendem Applaus, verschwindet von der Bühne. Das Licht bleibt dunkel, das Publikum klatscht und schreit nach mehr. Ein paar Minuten später kommen die Musiker zurück — natürlich kommen sie zurück! — und spielen den eigentlichen Abschluss des Abends. Ein abgekartetes Spiel. Ein Ritual. Vielleicht auch einfach ein paar Verschnaufsekunden für Band und Publikum. Bei Metallica passiert genau das inzwischen nicht mehr.

Metallica begeisterten Berlin – ohne Zugabe

Am Samstagabend  (30.05.) spielte die Band vor ausverkauftem Olympiastadion in Berlin. Knapp zwei Stunden lang, von „Creeping Death„ bis „Enter Sandman“, dazu ein Solo-Intermezzo von Kirk Hammett und Robert Trujillo ein kurzer Gruß an die Gastgeberstadt: ein Anriss von Rammsteins „Sonne“. Eines aber gab es nicht: eine Zugabe. Nach „Enter Sandman“ ging das Licht an, das war es.

Warum eigentlich nicht — und seit wann ist das so? Die Antwort liefert ein Blick auf die Tourstatistiken. In allen Konzerten der laufenden M72 World Tour steht auf „Setlist.fm“ hinter dem Eintrag „Encore“ dieselbe Zahl: null. Keine Zugabe, in keiner Stadt, an keinem Abend.

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Der Bruch mit der Setlist

Der Bruch kam allerdings nicht über Nacht. Schon 2021 begann Metallica, die Zugabe schrittweise wegzulassen. Bei drei von 13 dokumentierten Konzerten verzichtete die Band bereits auf eine Zugabe, bei den übrigen zehn gehörte sie noch dazu. 2022 kehrte das Ritual fast vollständig zurück: 23 von 25 Shows endeten wieder mit einer klassischen Zugabe — meist mit demselben Dreierblock aus Nothing Else Matters, One und Master of Puppets. Davor, auf der WorldWired Tour zwischen 2016 und 2019, war der Encore ohnehin fester Bestandteil der Show. Damals schloss häufig Enter Sandman den Zusatzblock ab, gelegentlich ergänzt um Spit Out the Bone.

Erst mit dem Start der M72 Tour im April 2023 verschwand die Zugabe dann komplett. Der Grund dafür liegt im Konzept der Tour. M72 funktioniert (großteils, nicht in allen Städten) über das sogenannte „No Repeat Weekend“: zwei Abende pro Stadt, zwei komplett unterschiedliche Setlists, kein Song doppelt. Pro Nacht spielt die Band rund fünfzehn bis achtzehn Songs, insgesamt gut zwei Stunden lang. Für die alte Encore-Dramaturgie — Abgang, Dunkelheit, Geschrei, Rückkehr — bleibt da kaum noch Platz.

Metallica spielen ihre Show nun also in einem Zug durch, ohne den einstudierten Moment, in dem das Stadion minutenlang nach einer Rückkehr verlangt, die ohnehin längst feststeht. Kürzer werden die Konzerte dadurch nicht. Die Songs, die früher erst nach der Pause kamen, stehen heute einfach direkt am Ende des regulären Sets. Gestrichen wurde nur die theatralische Unterbrechung.


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Markus Brandstetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.