So gut war Gottschalk


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Abba sind nicht mehr da, Depeche Mode sind noch nicht da, und Peter Maffay hat gerade keine Platte. Aber das alles ist nicht mehr so wichtig, wenn nur Thomas Gottschalk da ist. In einem steifen Brokatanzug schreitet er in die Halle in Friedrichshafen, in der er einst seinen Abschied von „Wetten, dass ..?“ verkündete. Jetzt möchte er, dass der Augenblick nie vergeht. Steifbeinig wie Joe Biden und mit der süffisanten Mimik des späten Hans-Joachim Kulenkampff zögert Gottschalk jeden Moment hinaus. Die immer von allem und jedem begeisterte Michelle Hunziker muss den Entrückten manchmal unterbrechen, um die imperiale Betulichkeit noch unter vier Stunden zu halten.

Robbie Williams eröffnet den Abend jovial mit seinem Song „Lost“, ruft „Thomas!“ und entbietet nach Ovationen die nicht überraschende Zugabe „Angels“. Christoph Maria Herbst, der mit Bully Herbig den Film „Hui Buh im Hexenschloss“ bewirbt, sagt auf dem Sofa: „Jetzt kann eigentlich nichts mehr kommen.“ Robbie kommt aber noch einmal wieder, um auf dem Sofa gut auszusehen und das gute Aussehen von Michelle Hunziker zu bewundern, die von ihrem „Sixpack-Doktor“ getrennt ist und Oma wird, wie Gottschalk uncharmant bemerkt.

Robbie Williams

Eine Baggerfahrerin hatte da schon ein Päckchen Eier angestochen, und zwei schräge Zwillinge erkannten vier Stoffbärchen unter 200 identischen. Weil Alexander Zverev an Corona erkrankt ist, wurden die sogenannten TikTok-Zwillinge Lisa und Lena als Wettpaten aus den Kulissen geholt. Nachdem er sich despektierlich über Influencer ausgelassen hat, ernennt er die TikTok-Schwestern zu „netten Mädchen“ und muss sie immerzu unterhaken. Da geht noch was!

Dann kommen Veronika Ferres und ihre Tochter Lilly Krug die Showtreppe hinunter. Sie haben in Amerika einen Film gedreht, die eine als Produzentin, die andere als Hauptdarstellerin neben John Malkovich, der wenig später von Gottschalk als „echter Schauspieler, wie Jeremy Irons“ eingeführt wird. Malkovich verzieht keine Miene und erzählt ausgesucht höflich von einer Diät, bei der er vier Wochen nur Wackelpudding gegessen hat. Er sieht dabei aus wie einer dieser Psychopathen, die auf Enten schießen, die er immer spielt.

John Malkovich, Veronica Ferres und Lilly Krug

Die Außenwette im Europapark Rust wird von Jochen Breyer, der kürzlich einen Emir in Katar mit Erkenntnisgewinn befragte, und dem Fußballspieler Christoph Kramer pompös angekündigt: Zwei Maxe werfen sich in einer rasenden Achterbahn sechs Handys zu. Fünf werden nicht aufgefangen. Ferres, Krug und Malkovich müssen Wackelpuddinge essen, von denen einer angeblich nach Fisch schmeckt. Veronika Ferres macht ein Riesenbohei darum, Veganerin zu sein, und löffelt dann mit Appetit. Malkovich spielt Ekel. Aber alle Puddinge sind süß. Gottschalk würde noch eine halbe Stunde bei den Puddingen stehen, würden im Hintergrund sich nicht Bully Herbig und Christoph Maria Herbst gegenseitig bescheinigen, dass es „Stromberg“ und die „Bully-Parade“ nicht mehr gibt. Wohl aber „Hui Buh“. Und „LOL“ ist für einen Emmy nominiert.

Lilly Krug und John Malkovich

Nun kehrt Robbie Williams im selben Gewand in die Halle zurück und sieht erfreut, dass neben Gottschalk und Hunziker zwei weitere Blondinen eingetroffen sind. Lilly Krug schaut er sich von der Seite genauer an. dann ist er fasziniert von einem Lehrer, der Brettspiele am Klang des Ausschüttens erkennen kann. Robbie stellt die letzte aller Fragen: „Why?“ Hier muss Gottschalk einschreiten: „Wer diese Frage stellt, ist in der falschen Sendung.“ Der Lehrer errät alle Brettspiele, während Williams interessiert am Tresen lehnt. Dann muss er zum Flieger. Herbig und Herbst feixen. Sie müssen bleiben.

Der 18-jährigen Sängerin Tate McRae (4,7 Milliarden Streams) erläutert Gottschalk seine Kernthese, dass viele junge Leute im Showgeschäft heutzutage keine Perspektive haben und in 20 Jahren nicht mehr da sein werden. Dann stellt er eine Frage und gibt die Antwort vor: „You will go on and on and on?“ Sie sagt: Ja.

Vor 20 Jahren erschien Herbert Grönemeyers Platte „Mensch“, und er ist immer noch da. Er trägt eine große Brille und sieht sehr aus wie sein Bruder, der Rückendoktor Dietrich. Herbert hat ein neues, ungewöhnliches Lied geschrieben, „Deine Hand“, eine Art Beschwörung, wie man sie nun öfter von ihm hört. Er appelliert an Solidarität und gerechtere Verteilung der Tantiemen im Musikgeschäft und finanziert einen Monat die Berliner Tafeln, obwohl ein Fahrradfahrer drei Meter hoch auf eine Palette springt.

Die Fußballspielerinnen Giulia Gwinn und Alexandra Popp kommen; Gottschalk nennt Gwinn „Giuliana“, sie schaut nach oben. „Wenn dich ein Kreuzbandriss raushaut …“, beginnt Gottschalk eine Frage an Lilly Krug. Michelle Hunziker streichelt tröstend Giulia Gwinn, deren Kreuzband gerissen ist.

Ein Superhirn erkennt die Daumenabdrücke Hunzikers und Gottschalks unter Hunderten, wird aber bei der Erklärung seines Vorgehens unterbrochen. Irgendwas mit Kreuzblick und Übereinanderlegen. „Außerirdisch“, sagt Hunziker. „Du bist ein Genie“, sagt Gottschalk. Das Superhirn wird Wettkönig.

Moulin Rouge“ bei „Wetten, dass…?“

Das wirre Musical „Moulin Rouge“ irrlichtert über die Bühne, Herbst und Herbig werden zum Finale ins Can-Can integriert.

Schlussbild, Konfetti. „Du warst gut, Thommy“, sagt Michelle Hunziker. Das findet er auch. Sie ist mit den TikTok-Zwillingen zum Shoppen in Italien verabredet.

Andreas Rentz Getty Images
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