Willander sieht fern: „titel, thesen, temperamente“ ist eine Festung des Guten

Vor 230 Jahren gab es noch nicht „titel, thesen, temperamente“. Es wäre sonst sehr wahrscheinlich, dass die sonntägliche Kultursendung der ARD die Aufklärung möglich gemacht hätte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Den Frieden. Die Gerechtigkeit. Das ökologische Gleichgewicht. Abgasarme Autos, Enten aus Tofu, Gelehrte vor Bücher regalen, grazile Sängerinnen, feurige Theatermacher, nachdenkliche Schriftsteller, engagierte Dirigenten.

Zwei Dinge nur hat „titel, thesen, temperamente“ nie im Programm: den Politiker und den Pöbel auf der Straße. Manchmal ist auch die Polizei an allem schuld. Wie in der Keupstraße in Köln-Mülheim, wo vor zwölf Jahren eine Nagelbombe explodierte, die viele Menschen verletzte. Die Ermittler vermuteten die Täter im kriminellen Umfeld, weil in der Keupstraße viele Bürger mit Migrationshintergrund arbeiten. Später stellte sich heraus, dass Rechtsradikale – der NSU – das Attentat verübt hatten.

Der Dokumentarfilm „Der Kuaför aus der Keupstraße“ zeigt Menschen, die damals verhört und – wie später erkannt wurde – zu Unrecht verdächtigt wurden; einige waren bei dem Anschlag selbst geschädigt worden.

Ein kräftiger Friseur beklagt sich darüber, dass ihm auf der Polizeiwache nichts zu trinken angeboten wurde. Aus dem Off fragt die Erzählerstimme: „Was macht so was mit Menschen?“ Auch hier war „der Staat“ mal wieder „auf dem rechten Auge blind“: „Es gab zwei Bomben: Die eine war die mit den Nägeln, die andere waren die Justiz, das System, die Ermittlungsbehörden.“ Aber es geht jetzt allen gut, sie treffen sich zur Premiere des Dokumentarfilms, der in der ARD gezeigt wird.

„titel, thesen, temperamente“ deliberiert darüber, „was genau wir jetzt schaffen müssen“. Der Historiker und Schriftsteller Philipp Blom sagt: „Unser Wohlstand ist immer die Armut von anderen.“ Aus dem Off werden mit dringlicher Vernunftstimme angemahnt: „gerechter Welthandel, vernünftige Klimapolitik, entschlossenes Regierungshandeln“, kurz: „ein anderes Narrativ“.

Dass das alles nichts wird, hat einen Grund in der stets verlangten „europäischen Reaktion“. Es gibt diese europäische Reaktion längst, doch sie ist nicht dieselbe, die „titel, thesen, temperamente“ sich vorstellt. Philipp Blom sieht „Populismus“. Er sieht eine „alternde, autoritäre Festung Europa“. Er sieht eine Dunkelheit.„titel, thesen, temperamente“ ist ein Journal der Betulichkeit, der Anklage und der Selbstgerechtigkeit.



Eurovision Song Contest: Vorentscheid beim Spartensender One statt im Ersten

Am Mittwoch (22. Januar) wurde berichtet, dass es wahrscheinlich keinen Vorentscheid für den diesjährigen Eurovision Song Contest in Rotterdam geben werde. Stattdessen soll die ARD im Hintergrund einen eigenen Kandidaten ausgewählt haben. Diese Nachricht stellte sich nun als falsch heraus. Zwar wird es keine große Live-Show im ersten geben, dafür aber eine Sendung auf dem Spartensender One. „Unser Lied für Rotterdam“ soll am 27. Februar um 21:30 auf One ausgestrahlt und von Barbara Schöneberger moderiert werden. Angesichts der Sendezeit von 45 Minuten wird es sich wohl nicht um einen Wettkampf handeln, bei dem mehrere Künstler gegeneinander antreten. Diese Informationen gingen…
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