Wolfgang Niedecken: Was 2026 für ihn und BAP bedeutet
Wolfgang Niedecken kündigt BAP-Abschied an: Mit 75 Jahren plant er seine Exit-Strategie. Die „Zielgerade“-Tournee 2026 könnte das letzte Kapitel werden.
Im Rheinland hängen die „50 Jahre BAP“-Plakate seit dem frühen Herbst. Ein Leopard aus Keramik als Optik markiert die „Zielgerade“. Womöglich ein Insider-Verweis auf ein Albumcover von Wolfgang Niedecken von 1995. Ein längst ausverkauftes Konzert am 10. Juli 2026 im Fußballstadion in Köln-Müngersdorf – mitten in der Fußball-Weltmeisterschaft auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Gleichzeitig feiert der Südstadt-Rocker seinen 75. Geburtstag. Zwar erst am 30. März, aber bereits jetzt hat er sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorweg geäußert. Er wolle nicht den „Jopie Heesters machen“.
Der holländische Endlos-Entertainer stand noch mit über 100 auf der Bühne. Nicht mal mit dem Live-Elan seiner UK-Helden von den Rolling Stones, bekanntlich alle über 80 Jahre, will er mithalten.
Exit-Strategie mit der Familie
Der BAP-Sänger hat mit seiner Familie eine Art Exit-Strategie vereinbart: Wenn er selbst nicht mehr merkt, dass es nicht mehr geht, werden seine Frau Tina und die beiden erwachsenen Töchter ein Alarmzeichen geben.
„Meine drei Damen sagen mir Bescheid“, so Niedecken, der sich offenbar weniger mit nostalgischen Rückblicken beschäftigt (diese gab es bereits zum 70.) als vielmehr mit einer Kardinalfrage, die viele Künstler seines Formats oft genug lange verdrängen: Wann ist der richtige Moment aufzuhören?
Dass Niedecken das Sujet nicht nur theoretisch anpackt, passt zu dem Mann im Jeans-Look, der sich nach seinem Schlaganfall 2011 öffentlich und künstlerisch neu zusammengesetzt hat. Seitdem schwingt in vielen seiner Interviews ein leiser Realismus mit, der nicht von Resignation, sondern von unprätentiöser Klarheit geprägt ist.
Keine Langeweile in Sicht
Über Angelsport oder ein schönes, buntes Aquarium denkt er nicht nach. Er betont, dass Stillstand für ihn keine Option ist. Langeweile kenne er nicht. Sollte die Live-Bühne irgendwann wegfallen, will er lesen, denken, schreiben. Ganz verschwinden wird er nie. Allein die Dauerkarte beim 1. FC Köln hält ihn präsent.
Nach dem Stadionkonzert im Juli steigt die große Jubiläumstournee ab November 2026. Auch hier heißt es: „Zielgerade“. BAP spielen 19 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine der umfangreichsten Tourneen der Band seit Jahren – gleichzeitig ein bewusstes Signal. Der Meister nennt den Titel „einen Wink mit dem Zaunpfahl“.
Offiziell ist es keine Abschiedstournee. Inoffiziell schwingt die Botschaft mit: Wer BAP noch einmal in großer Form erleben will, sollte nicht zu lange warten.
Fokussierung statt Rückzug
Niedecken sagt zwar, dass er sich „wie 50-plus“ fühle, gibt aber auch zu, dass er öfter darüber nachdenkt, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Das ist kein Pathos, sondern eine Haltung, die zu einem Künstler passt, der seine größten Erfolge immer aus Beobachtung und Selbstzweifel gezogen hat.
Kein Rückzug also, eher eine Fokussierung. Reducing to the Max, heißt das im Optimierungs-Deutsch. Auch neue musikalische Ideen sollen im Umlauf sein, allerdings ohne jeden Veröffentlichungsdruck. „Er macht nichts mehr, nur weil man es von ihm erwartet“, heißt es aus dem sprichwörtlichen „Umfeld der Band“.