„Woodstock ’99“: Gewalt, Müllberge, Vergewaltigungen – wie ein Festival zum totalen Fiasko wird


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Gewaltexzesse, Müllberge, Chaos statt Peace, Love und Understanding: Woodstock III, besser bekannt als Woodstock ’99, sollte den Geist des legendären Hippie-Festivals auferstehen lassen. 250.000 bis 400.000 Menschen kamen an den drei Tagen im Juli 1999 zu der ehemaligen Airbase in Rome, Upstate New York. Doch die Veranstaltung, die das größte Festival des Jahrzehnts werden sollte, wurde einem kompletten Fiasko.

10 Gründe, warum das spektakulärste Festival des Jahrzehnts in einem Desaster endete:

01. Gier: trotz ihres 30-Millionen-Budgets wurde an allem gespart, um möglichst viel Profit rauszuholen: Security, Wasserversorgung, Hygiene. Die Tickets kosteten zwischen 150 und 180 Dollar, was vor dreißig Jahren enorm war. Zudem konnte man das Festival über Pay-per View für 60 Dollar am Fernsehen schauen, was den Veranstaltern noch einmal geschätzte 30 Millionen Dollar gebracht haben soll.

02. Michael Lang: Der legendäre Organisator des ersten Woodstock-Festivals, bekennt in der Doku, dass er kaum eine Band aus dem Line-up kannte. Er ließ sich als ständig lächelndes Aushängeschild instrumentalisieren und spielte bis zuletzt die Gewaltexzesse während des Festivals herunter.

03. Nu Metal: die ältlichen Veranstalter hatten komplett unterschätzt, welches Publikum Bands wie Korn, Limp Bizkit, Megadeth und Rage Against the Machine anziehen, welche aggressive Energie sie freisetzen. Dass auch Willie Nelson, Alanis Morrisette und George Clinton bei „Woodstock99“ auftraten, ging völlig unter.

04. Toxische Männlichkeit: ein großer Teil des Publikums bestand offenbar aus jungen, Spring-Break-geschulten Männern, die sich ungehemmt auslebten. Sexuelle Übergriffe, Schlägereien, Nötigungen, Vergewaltigungen und komplette Randale am letzten Festivaltag, inklusive brennender Trucks und Bühnen waren die Folge.

05. Schmutzige Drogen: nicht Marihuana, sondern Ecstasy, Amphetamine und Speed prägten die Stimmung.

06. Hitze: Es waren unfassbar heiße Tage mit bis zu 38 Grad, ohne Schatten und Wasser (das bisschen, das es an Trinkstationen gratis gab, war spätestens ab Sonntag durch Fäkalien verseucht. Die Getränke an den Ständen kosteten ein Vermögen.). Die Bühnen lagen fast vier Kilometer auseinander, so dass sich das Publikum in sengender Sonne auf lange Fußmärsche machen musste.

07. katastrophales Catering: Die Essens- und Getränkeversorgung wurde komplett an Kleinunternehmen lizensiert, die 500 Dollar für einen Stand zahlten und horrende Preise verlangten (anfangs 4 Dollar für eine Flasche Wasser, gegen Ende des Festivals 12 Dollar).

08. Überforderte Security: Die rund 3000 Security-Kräfte trugen gelbe T-Shirts, auf denen „Peace Patrol“ stand. Sie waren teilweise von der Straße weg angeheuert worden und nicht dazu ausgebildet, um die Gewaltexzesse stoppen zu können. Manche von ihnen verkauften die Leibchen dann – für bis zu 400 Dollar an höchstbietende Festivalbesucher. Und als es schließlich überall brannte, weigerte sich sogar die Feuerwehr auszurücken.

09. Müll: Schon am Ende des ersten Tages ertrank das Gelände in Bergen von Plastikflaschen, Bierdosen, Pappschachteln und Fäkalien. Es gab kaum Müllcontainer und keine geregelte Müllentsorgung. Die 3600 Toiletten reichten bei weitem nicht, viele waren bereits am zweiten Tag kaputt und von Fäkalien geflutet.

10. Hippieträume: Am Ende des letzten Festivaltags spielten die Red Hot Chili Peppers. Die Veranstalter hatten verbreiten lassen, es werde danach noch einen überraschenden Höhepunkt geben. Gerüchte von einem Surprise-Gig von Prince machten die Runde. Doch es waren bloß Kerzen, die tausendfach im Publikum verteilt wurden – für eine friedliche Welt, den Geist von Woodstock. Es sollte ein Zeichen gegen Gewalt und für strengerer Waffengesetze sein. Die frustrierte Menge riss lieber die Holzbarrikaden ein, stürzte PA-Türme um und nutze das Material, um riesige Feuer zu entfachen, denen auch mehrere Band-Trucks zum Opfer fielen. Anthony Kiedis erinnerte die Szenerie an „Apocalypse Now“. Am Ende rückte bewaffnete Staatspolizei mit 500 Mann an.

Fazit: 5 aktenkundige Vergewaltigungen, zahllose sexuelle Übergriffe und Schlägereien, drei (Hitze-)Tote, 253 Verletzte, 5162 Behandlungen auf dem Gelände; die Aufräumarbeiten dauerten drei Wochen, 1400 Tonnen Müll wurden abtransportiert.