Xavier Naidoo: Auschwitz Komitee kritisiert Konzerterlaubnis in Rostock


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Nach langem lokalpolitischen Hin und Her fiel am 16. Juni die endgültige Entscheidung: Xavier Naidoos Konzert in der Rostocker Stadthalle darf stattfinden. Jetzt reagierte das Internationale Auschwitz Komitee auf den Beschluss der Rostocker Bürgerschaft, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland mitteilte. Das Komitee schreibt, der demokratische Staat habe sich „vorführen lassen“.

Antrag gegen Naidoo scheiterte knapp

Im Vorfeld der Abstimmung im Rostocker Rathaus hatte die Grünen-Fraktion unerwartet einen Rückzieher gemacht und angekündigt, sich in der Angelegenheit enthalten zu wollen. Trotz fehlender Grünen-Stimmen war es am Ende ein denkbar knappes Ergebnis, wie der „NDR“ berichtete. Mit 20 zu 20 Stimmen sprachen sich ebenso viele Bürgerschaftsmitglieder für ein Auftrittsverbot aus, wie dagegen. Ohne eine Mehrheit für den Antrag wird das umstrittene Naidoo-Konzert dennoch stattfinden dürfen.

Auschwitz Komitee übt scharfe Kritik

Xavier Naidoo

In einer Pressemitteilung vom 21.o6.2021 bezeichnete das Internationale Auschwitz Komitee das geplante Konzert als „unerträglich“. Zugleich übte Vizepräsident Christoph Heubner scharfe Kritik an der Entscheidung der Bürgerschaft: „Die Vorgänge um das in Rostock geplante Konzert des Sängers sind ein Musterbeispiel dafür, wie der demokratische Staat und seine Institutionen von diesen Kreisen vorgeführt wird, wenn demokratische Parteien in der Abwehr gegen rechtsextreme und antisemitische Kräfte nicht gemeinsam handeln.“

Naidoo sei längst zur Symbolfigur im Lager rechtsextremer Verschwörungstheoretiker und Demokratieverächter geworden, zu dessen Ideologie auch antisemitischer Hass und Holocaust-Leugnung gehörten.

Nicht mehr viel mit Musik

Das Verhältnis des Sängers zur deutschen Öffentlichkeit hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. In den frühen 2000er Jahren galt Naidoo als Hoffnungsträger des R’n’Bs und Soul. Die Single „Ich kenne nichts“, auf der auch Wu-Tang Clan Mitglied RZA zu hören ist, konnte sogar international Wellen schlagen.

Auch wenn es wie ein drastischer Wandel wirken mag, dass Naidoo heute nicht mehr viel mit Musik, dafür aber mit Verschwörungserzählungen auffällt, gab es bereits frühe Anzeichen für die Gesinnung des Sängers. Seit einem „Erweckungserlebnis“ im Jahr 1992, von dem Naidoo immer wieder selbst berichtete, ist er christlicher Fundamentalist und glaubt, am Rande der Apokalypse zu leben. Der passende Zusatztitel seines zweiten Soloalbums aus dem Jahr 2002: „Alles für den Herrn“.

Simon Hofmann Getty Images